Nachtrag zum Monsanto-Schwindel

Wie ich in diesem Post vor einigen Monaten schon schrieb, war die Freude über den angeblichen Rückzug Monsantos aus Europa verfrüht. Mittlerweile hat sich bestätigt, dass die EU-Kommission der Zufuhr von Monsantos gentechnisch veränderter Maissorte SmartStax im Oktober zustimmen wird. Somit wäre zwar nicht der Anbau, wohl aber der Import dieser Maissorte möglich. Über das Tierfutter und die direkte Verwendung in der Lebensmittelindustrie würde dieser genmanipulierte Mais dann wohl auch auf unseren Tellern landen. Dabei ist die Unbedenklichkeit dieser Maissorte keineswegs belegt: Die Pflanze ist wohl nicht nur gegen verschiedenen Gifte resistent, sondern kann sogar selbst Gift gegen verschiedene Insekten bilden. Das mag für den Landwirt praktisch sein, der sich nicht mehr so intensiv um die Schädlingsbekämpfung kümmern muss, kann aber auch langfristig große Risiken für Tier- und Umwelt bergen. Die Auswirkungen des Verzehrs einer solchen Maissorte auf den Menschen ist nicht untersucht. Dennoch hält es die EU nicht einmal für nötig, eine eigene Fütterungsstudie durchzuführen. Damit zeigt sich einmal mehr, dass der EU-Kommission die Zusammenarbeit mit Agrarriesen wie Monsanto wichtiger ist als der Schutz der europäischen Verbraucher.

Ein Detail am Rande, das Monsanto noch unsympathischer macht: Es hat wohl zischen 2008 und 2010 Total Intelligence, eine Tochterfirma der berüchtigten Blackwater USA, eingesetzt, um Aktivisten auszuspionieren. Blackwater ist die private Sicherheitsfirma, die von den USA als Söldner im Irakkrieg eingesetzt wurden und die sich durch Übergriffe auf Zivilisten eine traurige Berühmtheit verschafft haben. Mittlerweile existiert Blackwater nicht mehr, doch seine Tochterfirmen und ehemalige Konkurrenten sind weiterhin im Geschäft.
Nachtrag: Die Verbindungen zu Blackwater könnten sogar noch weitergehen. So kursiert seit einiger Zeit die Vermutung, dass Monsanto Academi, die Nachfolgeorganisation Blackwaters, aufgekauft haben soll. Ich weiß allerdings, inwieweit das stimmen kann.

Der Monsanto-Schwindel

Letzte Woche ging noch groß durch die Medien, dass der riesige US-Agrarkonzern Monsanto sein Geschäft mit gentechnisch verändertem Saatgut in Europa aufgibt. Einfach so, weil die Europäer gentechnisch verändertem Saatgut so skeptisch gegenüberstehen. Klingt nach keiner logischen Erklärung – und ist wohl auch nur Augenwischerei.

Der Wortlaut des “Rückzugs” ist wohl folgender: Die Nordeuropa-Chefin von Monsanto, Ursula Lüttmer-Ouazane, erklärte unter anderem: “Es ist richtig, dass Monsanto in Europa keine neuen Anbau-Systeme beantragt”. Trotzdem handelt es sich hier nicht um einen Rückzug, denn die elf bereits gestellten Anträge auf Zulassung zum Anbau in der EU wurden laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) nicht zurückgezogen. Und für 46 Pflanzen liegen zudem Anträge auf Import in die EU und zur Verwendung als Lebens- und Futtermittel vor. Von anderen Firmen liegen ähnliche Anträge vor. Bisher sind in der EU, anders als in den USA, nur wenige genmanipulierte Pflanzen zum Anbau zugelassen; in Deutschland sogar keine einzige. Sollten diese Anträge durchkommen, könnte sich das ändern. Und das ist beim bisherigen “Kuschelkurs” der EU mit Konzernen wie Monsanto auch nicht unwahrscheinlich.

Hinzu kommt, dass es seit einiger Zeit Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA gibt, das den europäischen Markt für die Einführung von gentechnisch veränderten Pflanzen und Lebensmitteln öffnen würde. Dadurch würde der hiesige Verbraucherschutz geradezu ausgehebelt, wenn Produktbewertungen und Anerkennungen der amerikanischen Behörden ungeprüft übernommen würden:

Ein Großteil der Verbraucher in der EU lehnt Gentechnik im Essen ab. Trotzdem sind Lebensmittel mit gentechnisch veränderten Zutaten hier zugelassen; Produkte auf Basis gentechnisch veränderter Pflanzen müssen allerdings entsprechend gekennzeichnet werden. Aber es gibt Ausnahmen zur Deklarierungspflicht von gentechnisch veränderten Bestandteilen, die seit 2004 gilt: So müssen weder Produkte von Tieren, die mit genetisch verändertem Futter gefüttert wurden, noch Zusatzstoffen, Aromen und Vitamine, die mit Hilfe gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt werden, deklariert werden. Wer auf der sicheren Seite sein will, kauft also Produkte mit dem Label ohne Gentechnik oder Produkte in Bio-Qualität.

Monsanto selber hat seinen angeblichen Rückzug übrigens mittlerweile in einer Mitteilung dementiert:

Monsanto bietet schon seit einigen Jahren nur dort gentechnisch verbesserte Sorten an, wo ein funktionierendes Zulassungssystem und breite Unterstützung auf landwirtschaftlicher und politischer Ebene für die Technologie vorhanden ist. Aber grundsätzlich ist es richtig, dass Monsanto sich in Deutschland und Europa auf die Züchtung und Verkauf von konventionellem Saatgut und Pflanzenschutzmitteln konzentriert.