Foodwatch und der Preis für die dreisteste Werbelüge des Jahres

Auch dieses Jahr ließ Foodwatch über die dreisteste Werbelüge des Jahres abstimmen. Der “der Goldene Windbeutel” genannte “Preis” geht diesmal an die Alete Trinkmahlzeiten von Nestle, die als gesunde Zwischenmahlzeiten für Babys ab dem 10. Monat beworben werden, obwohl sie hochkalorisch sind und neben Überfütterung auch Kariesbildung fördern. Aus diesen Gründen warnt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) schon seit Jahren vor Trinkbreien für Babys. Daran änderten auch kleinere Rezeptanpassungen seitens der Hersteller nichts.

Für mich ein verdienter Sieg für die Alete Trinkmahlzeiten! Wobei ich die Hühnersuppe ohne Hühnerfleisch von Knorr und das gefärbte Wasser zu 1,80€ pro halber Liter von Coca Cola auch gut fand… Schlimm, dass Hersteller mit solchen Produkten echt noch Absatz finden. Aber die Leute kaufen ja eine Menge völlig überflüssiger Dinge, nur weil eine bestimmte Marke drauf steht, ohne die Werbung zu hinterfragen. Ich verstehe echt nicht, warum man Werbung überhaupt noch Beachtung oder gar Glauben schenkt – es gehört schon eine Menge Dummheit und Abgestumpftheit hinzu, um heutzutage noch zu glauben, dass gewisse Bonbons gesund seien, weil dem Zucker Vitamine zugesetzt wurden. Und ich bin fest davon überzeugt, dass vielen Leuten der Appetit vergehen würde, wenn sie sich mal näher damit auseinander setzen würden, was genau in ihrem Essen alles drin ist.

Wenig überraschend hat Nestle den Goldenen Windbeutel gestern übrigens nicht annehmen wollen :-D

Captain Obvious at his best

Ich arbeite gerne mit Kindern, und die Tätigkeit als Schwimmtrainerin macht mir besonders viel Spaß. Meistens zumindest ;-) Besonderes Highlight sind Gespräche wie dieses zwischen zwei neunjährigen Mädchen, das ich letzte Woche in der Umkleide mitbekam.

“Mein Hamster ist tot.”
“Oh nein!! Warum das denn?!”
Kurzes Überlegen und irritierter Blick.
“Weil er gestorben ist!?”

Radikale Erziehungsmaßnahme

Man hört und liest ja oft, dass Menschen mit bestimmten Namen mit Vorurteilen zu kämpfen haben, sei es nun in der Schule, im Berufsleben oder im Alltag. Stichwort: “Das ist kein Name, sondern eine Diagnose”. Leider werden diese Vorurteile tatsächlich viel zu oft bestätigt. Ein Vater, dem ich letztens im Supermarkt begegnete, schien seine Abneigung gegen gewisse Namen schon sehr geschickt an sein Kind weitergegeben zu haben.

Vater an der Kasse zu seinem kleinen Sohn, vielleicht vier oder fünf Jahre alt: “Wenn du dich nicht benimmst, nenne ich dich ab jetzt Kevin!”
Hat gewirkt, das Kind fing sofort an zu heulen. “Aber so heiße ich gar nicht!” Darauf der Vater gleichmütig: “Dann benimm dich auch nicht so…”

Warum Ertrinkende gar nicht so aussehen, als würden sie ertrinken

Der Sommer kommt, die Badesaison hat begonnen. Deshalb hier ein Hinweis, der euch vielleicht mal ein Leben retten lässt: Eine Person, die ertrinkt, sieht nicht so aus, wie ihr euch das vorstellt – ja, sie sieht vielleicht nicht einmal so aus, als würde sie überhaupt Hilfe brauchen!

Als Übungsleiterin in einem Schwimmverein ist man immer wieder auch mit dem Retten von Personen konfrontiert. Selbst wenn man nicht selber regelmäßig Menschen aus Notsituationen retten muss, ist es sehr wichtig, dass man weiß, wie das geht. Trotzdem ist vielen Menschen selbst im Schwimmsport nicht klar, wie es eigentlich aussieht, wenn jemand ertrinkt. Umso weniger ist es den meisten Badeurlaubern bewusst. Und so kommt es denn auch vor, dass das eigene Kind wenige Meter neben einem zu ertrinken droht, ohne dass die Eltern es bemerken, wie Mario Vittone, Rettungshubschrauberpilot und Rettungsschwimmer der U.S. Coast Guard, es in diesem Artikel eindringlich beschreibt.

Zunächst einmal: Allein in Deutschland sterben jedes Jahr ca. 400 Menschen durch Ertrinken. Auch als sehr guter Schwimmer ist man vor dem Ertrinken nicht “sicher”. Besonders häufig betroffen sind Kinder; Ertrinken gilt als eine der häufigsten Todesursachen bei Kleinkindern. Obwohl allgemein angenommen wird, dass Ertrinkende laut um Hilfe schreien und wild mit den Armen winken, ist das Ertrinken ein erschreckend leiser Vorgang. Kein panisches Gestrampel, kein Geschrei, kein Gespritze.

Natürlich heißt das nicht, dass Menschen, die um Hilfe rufen und winken, nicht tatsächlich in Not sind – ihnen muss man selbstverständlich Hilfe leisten. Dies geschieht am besten, indem man professionelle Hilfe holt und der Person etwas zum festhalten zuwirft, sie ggf. auch selbst aus dem Wasser zieht. Wichtig ist immer: Eigenschutz geht vor! Es bringt niemandem etwas, wenn man sich selbst überschätzt und am Ende beide Menschen in Wassernot sind.

So sieht die instinktive Reaktion auf das Ertrinken aus, wie sie von Mario Vittone und Dr. Francesco A. Pia in einem Artikel im Coast Guard´s On Scene Magazine erläutert wurde (die folgenden Absätze wurden dieser Website entnommen):

1. In den meisten Fällen sind ertrinkende Menschen physiologisch nicht dazu fähig, Hilfe zu rufen. Da das Atmungssystem auf das Atmen ausgelegt ist und die Sprache die zweite/überlagerte Funktion darstellt, muss zunächst die Atmung sichergestellt werden, bevor die Sprachfunktion stattfinden kann.
2. Da sich der Mund beim Ertrinken unter der Wasseroberfläche befindet und nur kurzeitig wieder aus dem Wasser auftaucht, ist die Zeit für das Ausatmen, Einatmen und für einen Hilferuf zu kurz. Sobald sich der Mund einer ertrinkenden Person über der Wasseroberfläche befindet, wird schnell ausgeatmet und wieder eingeatmet, bevor der Kopf wieder unter Wasser abtaucht.
3. Ein Herbeiwinken ist nicht möglich. Die Arme werden instinktiv seitlich ausgestreckt und von oben auf die Wasseroberfläche gedrückt. Diese Schutzfunktion soll den Körper über der Wasseroberfläche halten, um weiter Atmen zu können.
4. Eine bewusste Steuerung der Arme ist bei einer instinktiven Reaktion auf das Ertrinken nicht möglich. Ertrinkende Menschen sind aus physiologischer Sicht nicht dazu fähig, das Ertrinken durch bewusste und gesteuerte Bewegungen abzuwenden. Ein Winken nach Hilfe ist also nicht möglich.
5. Während der Dauer des Ertrinkens befindet sich der Körper aufrecht im Wasser. In der Regel können sich Ertrinkende nur 20 bis 60 Sekunden an der Wasseroberfläche halten, bevor sie untergehen. Nicht viel Zeit für einen Rettungsschwimmer.

Auf die folgenden Anzeichen des Ertrinkens sollte man unbedingt achten:

* Der Kopf ist nach hinten geneigt und unter Wasser. Der Mund befindet sich auf einer Höhe mit der Wasseroberfläche.
* Die Augen sind glasig und leer.
* Die Augen sind geschlossen.
* Die Haare hängen vor Stirn und/oder Augen.
* Der Körper befindet sich vertikal im Wasser – die Beine werden nicht bewegt.
* Der Ertrinkende beschleunigt die Atmung und ringt nach Luft.
* Die betroffene Person unternimmt den Versuch zu schwimmen, kommt aber nicht voran.
* Es wird versucht sich auf den Rücken zu drehen.

Hier kann man sich diese instinktive Reaktion außerdem in einem Video ansehen.

Lügen zu Erziehungszwecken?

Vor einiger Zeit las ich einen interessanten Artikel zu einer Studie, ob und wie bzw. in welchen Fällen Eltern in den USA und China ihre Kinder belügen. Diese Studie brachte spannende Ergebnisse zu Tage, insbesondere im Vergleich der Daten zwischen den beiden Ländern. Unterschieden wurde zwischen sechs Arten von Lügen: “Ich gehe gleich”-Lügen, “Wenn du dich jetzt nicht benimmst”-Lügen, Lügen in Bezug auf Essen und Geld, “Du warst toll”-Lügen und Märchenlügen. Fast alle Arten von Lügen würden in China häufiger benutzt als in den USA. Dort drohten sogar 21% der Eltern ihrem Kind mit dem Tod (in den USA immerhin noch 4%). Während Erziehungslügen in China als legitimes Erziehungsmittel wahrgenommen würden, sähen viele US-Amerikaner in ihnen den letzten Ausweg.

Der Artikel hat mich durchaus zum Nachdenken gebracht – in welchen Fällen ist eine Lüge gegenüber Kindern nun angemessen oder gar notwendig? Oder ist es besser, immer 100%ig die Wahrheit zu sagen? Denn eigentlich wird Ehrlichkeit Kindern ja immer wieder als Tugend gepriesen. Aber was ist mit Notlügen? Und sollte man deshalb auch auf die Geschichte vom Weihnachtsmann und auf die Zahnfee lieber verzichten?

Lügen wie “Ich habe kein Geld dabei” sind einfach dumm – besonders, wenn einen das Kind dann kurz darauf dabei erwischt, dass man vielleicht doch etwas kaufen muss. Außerdem suggeriert diese Antwort: “Hättest du gefragt, als ich Geld dabei hatte, hättest du es auch bekommen.” Stellt also die Quengelei nicht ab. Dann doch lieber ehrlich antworten: “Nein, wir kaufen heute keine Süßigkeiten.” oder “Du hast genug Kuscheltiere zu Hause, wir können nicht dauernd neue kaufen.” Das mag weiteres Theater nach sich ziehen, ist aber auf Dauer die einzige Möglichkeit, das Quengeln abzustellen.

Sätze wie “Wenn du jetzt nicht mitkommst, dann lasse ich dich hier alleine stehen.” stellen sich oft als zweischneidiges Schwert heraus: Die Eltern würden niemals wirklich weggehen, bleiben meist zehn Meter weiter stehen und fangen wieder an zu rufen oder kommen gar sofort zurück. Was lernt das Kind daraus? Ich muss nur trotzig stehenbleiben, und alles dreht sich wieder um mich. Die Drohung kann durchaus mal den gewünschten Effekt haben, aber oft hat das Kind den längeren Atem bzw. den größeren Trotz.

Motivationslügen dagegen sind für mich definitiv sinnvoll und legitim. Einem Kind, das gerade anfängt, Flöte oder Geige zu spielen, sollte man keinesfalls sagen, dass es ganz grauenhaft klingt und es ja keinen einzigen Ton trifft – egal, wie sehr einem die Ohren weh tun. Das demotiviert nur unnötig. Klar sollte man nicht immer alles, was das Kind tut, über den grünen Klee loben, und oft ist konstruktive, sachliche Kritik hilfreich. Aber schonungslose Ehrlichkeit hilft einem nicht weiter, wenn einem eine Vierjährige stolz ihr neues “Kunstwerk” präsentiert. Und ein ganz wichtiger Punkt, gerade am Anfang oder wenn ein Kind Schwierigkeiten mit etwas hat: Immer wieder loben, selbst für kleine Fortschritte. Ohne Erfolg keine Motivation, und Lob vermittelt Erfolge.

Märchenlügen sind ein schwierigeres Thema. Ich bin kein großer Fan von Märchen und würde sie meinem Kind zumindest nicht als wahre Geschichte, sondern eben als Märchen erzählen. Fabelwesen würde ich nie als reale Geschöpfe präsentieren wollen. Beim Weihnachtsmann wird die Sache schon schwieriger. Im Prinzip könnte man das Thema einfach nicht ansprechen. Aber spätestens im Kindergarten wird das Kind von alleine damit anfangen, zumal die rot gekleideten Herren mit Rauschebart ja auch auf jedem Weihnachtsmarkt präsent sind. Und wer schonmal die leuchtenden Augen von kleinen Kindern beim Anblick eines “Weihnachtsmannes” gesehen hat, weiß auch, wie begeistert Kinder darauf reagieren. Diese Begeisterung mit einem rüden “ist alles nicht wahr” zu zerstören, wäre gemein; das erledigt sich in der Grundschule schon von alleine. Vielleicht wäre die diplomatischste Lösung, den Weihnachtsmann (oder die Zahnfee, oder das Christkind, oder …) auch als Märchengestalt zu präsentieren – anstatt zu sagen “An Weihnachten bringt der Weihnachtsmann Geschenke”, könnte man also auf “es heißt in der Geschichte, dass an Weihnachten der Weihnachtsmann Geschenke bringt” umschwenken. Schlecht ist nämlich, wenn irgendwann die Wahrheit rauskommt und man dann als Lügner dasteht, denn Kinder können es genauso wenig leiden, belogen zu werden, wie Erwachsene.

Noch ein ganz anderer Aspekt, der im Artikel nicht angesprochen wurde: Wie ist es mit Lügen zur Vereinfachung von Sachverhalten? Wenn die Frage “wo komme ich her” für ein kleines Kind zu kompliziert zu beantworten ist, erzähle ich dann einen vom Klapperstorch oder von “Mami und Papi hatten sich ganz doll lieb” – oder versuche ich, “die Wahrheit”, also einen komplizierten Sachverhalt, kindgerecht zu vereinfachen? Mir erscheint die Vereinfachung des korrekten Sachverhalts viel sinnvoller als die Lüge vom Klapperstorch, aber oft verwischt die Grenze zwischen (zu) starker Vereinfachung und Lüge sehr schnell.

Und dann gibt es da noch Lügen, um Kinder vor etwas zu schützen, sei es nun vor einer schlechten Erfahrung oder davor, zu sehen, dass es einem selbst schlecht geht (physisch oder psychisch). Da wird es schnell kompliziert und übersteigt zudem den Rahmen simpler Erziehungslügen, so dass ich das hier lieber ausklammern möchte – ebenso wie Notlügen. Nur eines dazu: Kinder lassen sich weniger vormachen, als es so manchem Erwachsenen lieb ist. Dann lieber gleich die Wahrheit sagen (und sei es in vereinfachter Form).

Fazit: Ehrlichkeit ist ach in der Erziehung sehr wichtig, denn sie schafft Vertrauen. Trotzdem ist eine Trickserei gelegentlich schon okay, besonders zu Motivationszwecken. Man sollte sich nur nicht selbst dabei austricksen, wie es bei “beim nächsten Mal”-, “ich habe kein Geld dabei”- und “ich lasse dich hier stehen”-Lügen nur allzu leicht der Fall ist. Das gleiche Problem kann es bei Märchenlügen geben. Aber Menschen sind fantasievoll und mögen schöne Geschichten mit mitreißenden Charakteren – man muss ja nicht immer alles gleich als “absolut wahr” präsentieren.

Lebensmittel Skandal in China

Richtig coole Geschichte: In China hat ein elfjähriger Junge einen Lebensmittelskandal aufgedeckt, weil er auf eigene Faust Pilze auf Verunreinigungen durch Bleichmittel untersucht hat. Und das alles nur, weil seine Mutter Verunreinigungen befürchtet und ihm den Verzehr der Pilze verboten hatte. So werden Kinder zu Forschern und Lebensrettern, die verwendeten Bleichmittel können nmlich z.B. Astham und Leberschäden hervorrufen. Hier gibt es die Details.

Fragen über Fragen

Gestern abend beim Schwimmen. Ein Mädchen, 8 Jahre alt, hält beim Einschwimmen an und fragt mich:
“Verena, weißt du, wo die Fuxball WM stattfindet?”
“Ja klar, in Südafrika.”
Schockiertes Schweigen – “Woher WEISST du das?!”
Ich würde mal vermuten, dass hat mittlerweile fast jeder (unfreiwillig) mitbekommen. Und Freitag geht es dann tatsächlich los. Ich bin gespannt!