Doku über die Auswirkungen des syrischen Bürgerkriegs auf den Libanon

Seit Wochen möchte ich nun endlich ausführlich über den Bürgerkrieg in Syrien bloggen, komme aber einfach nicht dazu. Deswegen hier erstmal eine kurze Dokumentation eines Bekannten von mir über die Auswirkungen, die der Krieg und die Massen an Flüchtlingen auf den Libanon haben. Es ist beachtlich, was dieses kleine Land momentan stemmen muss und wie wenig internationale Unterstützung es bekommt! Gleiches gilt für Jordanien und die Autonome Region Kurdistan, die ebenfalls sehr, sehr viele Flüchtlinge aufgenommen haben und noch immer aufnehmen.

Radikale Erziehungsmaßnahme

Man hört und liest ja oft, dass Menschen mit bestimmten Namen mit Vorurteilen zu kämpfen haben, sei es nun in der Schule, im Berufsleben oder im Alltag. Stichwort: “Das ist kein Name, sondern eine Diagnose”. Leider werden diese Vorurteile tatsächlich viel zu oft bestätigt. Ein Vater, dem ich letztens im Supermarkt begegnete, schien seine Abneigung gegen gewisse Namen schon sehr geschickt an sein Kind weitergegeben zu haben.

Vater an der Kasse zu seinem kleinen Sohn, vielleicht vier oder fünf Jahre alt: “Wenn du dich nicht benimmst, nenne ich dich ab jetzt Kevin!”
Hat gewirkt, das Kind fing sofort an zu heulen. “Aber so heiße ich gar nicht!” Darauf der Vater gleichmütig: “Dann benimm dich auch nicht so…”

Fotos zum Schwebebahn-Zwischenfall am 17.10.2013

Wie hier berichtet, saß ich zusammen mit 74 weiteren Fahrgästen in jener Schwebebahn, die am 17. Oktober 2013 nach dem Abreißen einer Stromschiene auf freier Strecke stehen blieb. Wir wurden von der Feuerwehr per Drehleiter aus der Bahn evakuiert. Die B7, auf die Teile der Stromschiene gestürzt waren, war stundenlang vollgesperrt. Außer einigen Personen mit Schocks blieben sowohl die Fahrgäste der Schwebebahn als auch Autofahrer und Fußgänger auf der B7 unverletzt. Seit dem Unfall steht die Schwebebahn nun still, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Schwebebahnwagen hängt bis nach Abschluss der Begutachtung weiterhin am Unglücksort. Am Dienstag, den 22. Oktober wurde die Unfallstelle wieder freigegeben; mittlerweile wurde mit der Räumung durch die Wuppertaler Stadtwerke begonnen. Hier nun einige Fotos der Unglücksstelle, geschossen am Sonntag, den 20. Oktober 2013.

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Der Blick auf die festhängende Schwebebahn und die herabhängende Starkstromschiene. Die vorderste Tür, durch die wir herausgeholt wurden, steht seit Donnerstag Abend offen. Hinten der Blick auf das Kosice-Ufer sowie die Rückseite des Schauspielhauses und des Parkhauses des Cinemaxx.

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Blick von vorne auf die Schwebebahn. Die Stromschiene hängt noch über der kleinen Brücke bis auf die Kreuzung mit der B7. Vor der Bahn sieht man einen weißen Schienenwagen der WSW; jeweils einer hängt momentan vor bzw. hinter der Bahn. Mit ihnen kann die Bahn bewegt werden.

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Hier sieht man gut, wie sich die abstürzende Stromschiene oberhalb der Fahrerkabine in das Dach der Schwebebahn gebohrt hat. Am hinteren Ende dagegen ist die Schiene links an der Bahn heruntergerutscht und erst am Gelenk in der Mitte seitlich abgerutscht.

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Dein Einschlag der Stromschiene auf dem Geländer des Fußgängerwegs der B7. Neben der fixierten Schiene sieht man deutlich den Einschlag. Die Schiene ist etwa so dick wie mein Unterarm.

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Blick vom Kosice-Ufer aus auf die Bahn, quasi von hinten links. Deutlich sieht man die Stromschiene in die Wupper hinunterhängen. Auch ist gut zu erkennt, welches Glück wir Insassen hatten, dass die Schwebebahn nicht 20m früher zum Stehen gekommen ist, denn in dem Fall hätten wir genau vor der Häuserfront gehangen, sodass der Leiterwagen uns vom Ufer aus nicht mehr hätte erreichen können. Die Feuerwehr hätte uns zwar theoretisch vom Kosice-Ufer aus, also über die linke Seite, erreichen können, doch da die Schwebebahn auf der linken Seite keine Türen hat, wäre das keine Hilfe gewesen. Dann wäre wohl nur der Weg per Hebekran durch die Wupper geblieben.

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Die Bruchkante der Stromschiene über der Wupper, etwa 200m vor der Kreuzung. Rechts neben der Niete ganz oben rechts sieht man die Bruchkante.

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Die Bruchkante der Stromschiene unmittelbar hinter der B7. Wie an einigen anderen Stellen ist der noch hängende Teil der Stromschiene am Gerüst fixiert worden.

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An dieser Hausecke stand der Feuerwehrwagen, über dessen Drehleiter wir evakuiert wurden. Der Korb wurde oberhalb der Dachkante am Baum vorbeigesteuert.

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Dort hinten standen die Rettungswagen und links neben dem Spielplatz der Linienbus, der als Sammellager diente.

Ein Königreich für Winter-Hufeisen!

Eben las ich eine interessante Reportage der BBC über das Scheitern von Napoleons Russland-Feldzug 1812. Dass Napoleon sich und seine Grande Armee bei diesem Feldzug hoffnungslos überschätzt hatte, ist bekannt; dass die Vorbereitung und Durchführung des Feldzugs ein logistisches Desaster waren, ebenfalls. Was ich jedoch nicht wusste: Das i-Tüpfelchen war die schlechte Ausrüstung der zehntausenden Pferde, die für den Transport unerlässlich waren. Denn als der Winter hereinbrach, die erwarteten Erfolge und neue Vorräte jedoch ausblieben, behinderte das Fehlen von Winter-Hufeisen, quasi Hufeisen mit Spikes, die Pferde auf Schnee und Eis. So konnten sie weder Wagen bergauf ziehen noch die Spikes bergab zum Abbremsen benutzen. Neben der schlechten Ernährung kamen nun Unfälle in Schnee und Eis als häufige Todesursache der Tiere hinzu und trugen so wesentlich zum Scheitern der Grande Armee bei.

In der Schwebebahn festgesessen; oder: Ein Abend, den ich so schnell nicht vergessen werde!

Kurzzusammenfassung: Was ist eigentlich passiert?

Am 17.10.2013 um 18:25 Uhr ereignete sich der erste ernsthafte Zwischenfall bei der Wuppertaler Schwebebahn seit 2008. Zwischen den Stationen Kluse und Landgericht löste sich auf einer Länge von etwa 100 Metern die Starkstromschiene, die auf den Gleisen aufliegt und die Schwebebahn mit Strom versorgt, und stürzte in die Wupper sowie auf die viel befahrene B7. Wie durch ein Wunder wurden zwar mehrere parkende sowie ein fahrendes Auto getroffen, jedoch kam die Fahrerin mit einem Schock davon. Ein Fußgänger wurde nur knapp verfehlt. Die Bahn selber blieb auf freier Strecke hängen und die 75 Passagiere, darunter ich, mussten von der Feuerwehr evakuiert werden. Die Evakuierung dauerte bis 21:45 Uhr, die Vollsperrung der B7 bis 24 Uhr. Die Schwebebahn steht für mindestens eine Woche still, während der Schaden behoben und nach den Ursachen geforscht wird. Mittlerweile ermittelt auch die Staatsanwaltschaft.

Ausgangssituation

Es ist selten, dass bei der Schwebebahn ein Unfall passiert. Der schlimmste war der Absturz eines Wagens in die Wupper im Jahr 1999, bei dem fünf Menschen starben. Seitdem machte die Schwebebahn zwar regelmäßig weiter Schlagzeilen, allerdings vor allem wegen des fortschreitenden Umbaus. Doch gestern Abend gab es einen erschreckenden Zwischenfall – und ich war live dabei!

Dabei begann alles ganz harmlos! Wir waren zu dritt auf dem Rückweg von der Schwimmoper, weil unser Training überraschend ausfallen musste. Nachdem wir die Eltern unserer Schwimmkinder abtelefoniert hatten, machten wir uns auf den Heimweg, guter Dinge, weil wir ja deutlich früher nach Hause kommen würden als sonst. Doch weit gefehlt!

Wie wir den Unfall erlebten

Dummerweise entschieden wir uns, mit der Schwebebahn und nicht mit dem Bus zu fahren. Eine Bahn verpassten wir knapp, also nahmen wir die zweite. Wir saßen ganz hinten, waren gut gelaunt und machten Witze, als es plötzlich ein seltsames, lautes Geräusch gab und die Bahn anfing zu ruckeln. Wir drehten uns entsetzt um und sahen, wie sich etwa 30m hinter uns ein etwa armdicker, langer schwarzer Kabelstrang löste und in die Wupper stürzte (später erfuhren wir, dass es sich dabei um die Starkstromschiene gehandelt hatte). In unserer Schwebebahn fiel der Strom aus, die Notbeleuchtung ging an. Den Lichtblitz, der den Stromausfall begleitete, habe ich nicht wahrgenommen, weil ich beobachtete, wie der Kabelstrang hinter uns abstürzte, bis hin zu unserer Bahn. Es ging ein unangenehmes Ruckeln durch die Bahn, sie bremste ab, wir kamen zum Stillstand. Das alles hatte sich in vielleicht 20 Sekunden abgespielt, aber eine solche Angst, wie sie uns alle durchfuhr, habe ich noch nicht erlebt. Wir konnten ja nicht wissen, ob sich da nicht Gerüstteile oder gar etwas an der Schiene gelöst hatte und wir im nächsten Moment abstürzen würden.

Unser Blick nach hinten aus der Bahn - wie Sie sehen, sehen Sie nichts!

Unser Blick nach hinten aus der Bahn – wie Sie sehen, sehen Sie nichts!

Wartezeit in der “festhängenden” Schwebebahn

Da hingen wir nun, in einer stillstehenden Schwebebahn mit Notbeleuchtung, mitten auf freier Strecke. Es war 18:25 Uhr und zum Glück noch nicht ganz dunkel. Zu sehen war nicht viel, der abgerissene Kabelstrang war in der Wupper verschwunden. Die Anwohner der Häuser direkt neben uns am Kosice-Ufer hingen an den Fenstern, machten Handy-Fotos. In Ermangelung einer besseren Idee rief ich erstmal die Polizei an und berichtete von unserer Lage, also dass wir in einer Schwebebahn festsaßen und dass “irgendwas” in die Wupper gestürzt war. Dann fingen wir an, unsere Eltern und andere Angehörige zu informieren. Auch, um ggf. Informationen des Lokalradios mitgeteilt zu bekommen, sobald es welche gab.

Nach der ersten Schrecksekunde beruhigten sich die meisten Menschen schnell wieder. Wir gingen davon aus, dass wir nun nicht mehr abstürzen würden. Allerdings wussten wir ja nach wie vor nicht, was da in die Wupper gestürzt war. Dank eines Anrufs hörten wir dann, dass auch vor uns “etwas” (die Starkstromschiene, wie wir später mitbekamen) auf die B7 geknallt war. Bei uns kam nur an, dass es wohl “Gerüstteile” gewesen seien. Da wird einem dann schon mulmig. Ich beschäftigte mich mit Fotografieren, Gesprächen mit den Mitfahrern und “Liveberichterstattung” bei Facebook. Wir konnten nicht viel sehen, gerade nicht nach vorne und auf die Kreuzung, und hinter uns gab es nichts zu sehen. Die Anwohner am Fenster gegenüber ließen sich von uns anrufen und fragten netterweise nach, wie es uns ginge usw. Als dann neben mir jemand mit Schocksymptomen zusammenbrach, hatte ich auch eine Aufgabe für die nächsten Stunden – da blieb dann keine Zeit mehr zum Nachdenken. Zum Glück war eine Ärztin an Bord, die mir die Erstversorgung abnahm, als ich nicht mehr weiterwusste.

Unser Blick auf die Kreuzung der B7. Alles voller Polizei und Feuerwehr, ansonsten nichts zu erkennen.

Unser Blick auf die Kreuzung der B7. Alles voller Polizei und Feuerwehr, ansonsten nichts zu erkennen.

Massenpanik und Verletzte? Nein!

Unterdessen hatte sich die Kreuzung an der B7, auf die die Stromschiene gestürzt war, mit allen verfügbaren Polizei- und Feuerwehrautos gefüllt. Wir konnten beobachten, wie die Kreuzung nach und nach nach hinten hin geräumt wurde. Wie wir befreit werden würden, wussten wir da noch nicht. Erst als die Feuerwehr gegen 19 Uhr einen der großen Leiterwagen neben dem Eckhaus am Kosice-Ufer parkte, ahnten wir, was uns erwartete. Die ersten Feuerwehrmänner betraten die Bahn wohl gegen 19:10 Uhr.

Gerüchte über eine ausbrechende Panik unter den Passagieren kann ich nicht bestätigen; es stimmt aber, dass einige Menschen mit Schocksymptomen bzw. Hysterie reagierten. Diese Schockreaktionen verstärkten sich mit der Wartezeit, wurden zum Teil durch die Aussicht auf eine wackelige Fahrt im Korb des Leiterwagens noch verschärft. Zum Glück wurden diese Menschen sofort von den ersten Feuerwehrleuten, die an Bord kamen, versorgt und als erste heruntergebracht. Später las ich von insgesamt sechs Personen, die mit Schocksymptomen untersucht wurden, von denen zwei auch im Krankenhaus behandelt wurden. Hinzu kommt die Autofahrerin, deren Wagen von der herabstürzenden Stromschiene getroffen wurde, die zum Glück ebenfalls mit einem Schock davonkam.

Unsere Rettung

Die Feuerwehrmänner, die als erste zu uns an Bord kamen, kümmerten sich zunächst um die Personen mit Schocksymptomen. Danach sollten Kinder, Minderjährige und ältere Menschen herausgeholt werden. Als Begleitung einer der Passagiere mit starken Schocksymptomen gelangte ich als eine der ersten nach draußen, obwohl es mir selber ja gut ging. Mit der Fahrt im Korb ging ein Kindheitstraum in Erfüllung – es war ein atemberaubend schöner Anblick, die angestrahlte Schwebebahn sogar noch von oben betrachten zu können. Ich habe mich glatt geärgert, dass ich in dem Moment keine Kamera zur Hand hatte, aber das wäre angesichts des hysterischen Mädchens neben mir im Korb wohl unpassend gewesen. Endlich gewann ich auch einen gewissen Überblick über die Lage, denn von innen hatten wir ja nur wenig sehen können. Die Fahrt selber war etwas ruckelig, aber wirklich nicht dramatisch.

Unten angekommen wurden wir, sofern nötig, mit Decken versorgt und als erstes registriert. Uns wurde sogar ein “Fundort” zugeteilt! Ich wurde zu meiner Freundin in den Rettungswagen gebracht, wo sich bereits ein Sanitäter um sie kümmerte. Es ging ihr schon etwas besser, aber der Schock saß doch recht tief. Mittlerweile war es etwa 19:25 Uhr (geschätzte Zeit, meine Erinnerungen sind in der Hinsicht etwas unscharf). Die nächsten gut 45 Minuten verbrachten wir im Rettungswagen; der Sanitäter unterhielt sich sehr nett mit uns. Ich telefonierte in der Zeit auch mehrmals mit meiner Familie sowie mit der Mutter meiner Freundin, um alle auf dem neuesten Stand zu halten.

Fundort: Schwebebahn!

Fundort: Schwebebahn!

Die Evakuierung der gesamten Schwebebahn dauerte weit über zwei Stunden; der letzte Fahrgast wurde wohl erst gegen 21:45 Uhr rausgeholt. Dies lag vor allem daran, dass höchstens zwei Personen gleichzeitig mitfahren konnten. Eine Fahrt dauert wohl drei bis vier Minuten: Eine Minute hoch, Menschen einsteigen lassen, langsam wieder runter, Menschen wieder aussteigen lassen. Die Passagiere wurden oben mit Getränken und Decken versorgt; medizinische Betreuung stand, soweit ich weiß, bereit.

Nach Hause

Gegen 20:10 Uhr stiegen wir aus dem Rettungswagen um in den Linienbus, den die Stadtwerke als Sammellager für die Evakuierten bereitgestellt hatten. Es waren noch nicht sehr viele, vielleicht zwanzig, zum Teil handelte es sich aber auch um Angehörige. Wir bekamen Besuch von Oberbürgermeister Peter Jung und dem Geschäftsführer der Wuppertaler Stadtwerke, Ulrich Jaeger. Alle Passagiere und auch die Angehörigen wurden medizinisch betreut, und wer sich fit genug fühlte, um zu gehen, wurde entsprechend registriert und “entlassen”. Nach einiger Zeit wurde für alle Betroffenen und Angehörige ein Shuttle Service zum Hauptbahnhof und zum Barmer Bahnhof eingerichtet. Uns im Bus wurden Wasser und Apfelschorle sowie Süßigkeiten angeboten, worauf ich dankbar zurückkam. Da meine Freundin noch immer sichtlich unter Schock stand, blieben wir bis ca. 21:45 Uhr vor Ort und fuhren dann mit ihrer Mutter weiter ins Krankenhaus.

Oberbürgermeister Peter Jung zu Besuch im Sammellager.

Oberbürgermeister Peter Jung zu Besuch im Sammellager.

Gegen 22:30 Uhr kam ich endlich zu Hause an. Ich hatte den Abend insgesamt gut überstanden – keine Panikattacken, kein Zusammenbruch, keine Angst, vom ersten Schrecken einmal abgesehen. Da war so viel Adrenalin in meinem Körper und es war so viel zu tun, dass gar keine Zeit blieb, um groß nachzudenken. Als ich dann aber endlich zu Hause ankam, war ich doch völlig platt. Sobald das Adrenalin weg war, kam die Erschöpfung. Schlafen konnte ich trotzdem erst viel später, und dann mit wirren Albträumen. Die Details hab ich glücklicherweise wieder vergessen, aber ich weiß genau, dass mir die ganze Geschichte drei Mal und in verschiedenen Varianten durch die Träume gerattert ist.

Fazit

Ich bin sehr froh, dass wir alle heil aus der Schwebebahn rausgekommen sind und dass auch der Autofahrerin und dem Fußgänger auf der B7 nichts Schlimmes passiert ist. Zunächst einmal ein herzliches Dankeschön an alle, die mit uns gebangt und gezittert und uns beigestanden haben! Ich habe eine tolle Familie und tolle Freunde, und sowohl die Feuerwehr als auch die diversen Rettungskräfte vor Ort haben sich alle sehr nett um uns gekümmert!

Und ich war im Fernsehen. In einem Video des WDR bin ich kurz zu sehen, wie ich aus dem Leiterwagen klettere, bei 0:35.

Nun stellt sich natürlich bald die Frage: Was tun, wenn die Schwebebahn wieder fährt? Ich habe mehrere meiner Mitfahrer Sätze sagen hören wie “Ich werde nie mehr Schwebebahn fahren!”. Dem kann ich mich definitiv nicht anschließen. Die Schwebebahn gehört zu Wuppertal, und ein Leben dort ohne sie ist für mich schlichtweg nicht vorstellbar! Klar wird es komisch sein, zum ersten Mal wieder einzusteigen, aber ich sehe keinen Grund darin, mich von einer diffusen Angst beherrschen zu lassen. Sie ist und bleibt eines der sichersten Verkehrsmittel der Welt. Und zumindest statistisch gesehen habe ich für die nächsten Jahrzehnte ausgesorgt: Eigentlich kann mir nun beim Schwebebahn fahren gar nichts mehr passieren! ;-)

Der Unfall in der Presse

Das Interesse der Medien an dem Vorfall war enorm. Noch während wir in der Bahn festsaßen, hatten wir diverse Kameras wahrgenommen. Dass ich beim Verlassen des Korbes gefilmt wurde, war mir allerdings nicht klar.

Diverse Videobeiträge gibt es z.B. beim WDR.

In allen wichtigen online Zeitungen waren Beiträge, sei es nun bei Spiegel Online, beim Focus oder der Süddeutschen. Auch diverse Lokalzeitungen aus ganz Deutschland brachten kurze, teilweise auch recht ausführliche Meldungen.

Am ausführlichsten berichtete die Westdeutsche Zeitung in mehreren Artikeln (z.B. hier und hier) und mit der besten Fotostrecke, die ich bisher vom Unfall gesehen habe. Auch der Westen und die Welt berichteten ausführlich.

Doku über den Völkermord an den Armeniern 1915-17

Vor einigen Tagen sah ich mir bei Youtube die Dokumentation “Aghet – Der Völkermord an den Armeniern” an. Da ich mich vorher noch nie intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hatte, fand ich die Doku sehr interessant, und ich würde sie auch jedem zum Einstieg weiterempfehlen, der sich damit auseinandersetzen möchte.

Die Doku startet recht beschaulich mit einer längeren Einleitung zu den Kontroversen der letzten Jahrzehnte, ausgelöst durch die Weigerung der Türkei, den Völkermord an den Armeniern als solchen anzuerkennen. Es folgt eine (leider sehr kurze) Einführung in den historischen Zusammenhang, also die Ausgangssituation der Türkei zu Beginn des Ersten Weltkriegs sowie die Situation von Minderheiten wie den Armeniern. Die Geschehnisse der Verfolgung, Deportation, Aushungerung und Ermordung Hunderttausender Armenier werden von Zeitzeugenaussagen untermauert und mit originalen Fotos und Filmaufnahmen unterstrichen. Ich bin eigentlich kein Fan von nachgestellten Szenen in Dokus, aber die Idee, Schauspieler in die Rolle der Zeugen schlüpfen und sie ihre Beobachtungen und Erinnerungen ohne großes Brimborium vortragen zu lassen, fand ich sehr gut. Dadurch werden die Ereignisse für den Zuschauer greifbarer, ohne in spekulativen und überkandidelten Szenerien zu enden.

Mein einziger großer Kritikpunkt an der Doku: Es wird davon ausgegangen, dass an der Tatsache, dass es einen Völkermord gab, nicht zu rütteln sei. So weit, so gut – sehe ich ähnlich. Doch leider werden die in der Türkei nach wie vor weit verbreiteten Gegenargumente, den Völkermord als solchen anzuerkennen, nur angerissen und sofort für absurd erklärt, anstatt genauer darauf zu schauen. So erscheint die Gegen-Position “der Türkei” von vornherein lächerlich und unbegründbar – das ist nicht nur eine sehr subjektive Darstellung, sondern schwächt noch dazu die eigene Position. Schließlich ist es immer eine stärkere Begründung, wenn man Gegenargumente einzeln und detailliert entkräftet, als einfach zu sagen “Ihr habt aber Unrecht, weil ich recht habe”.

Mein Fazit: Diese Doku geht unter die Haut, besonders wegen der vielen originalen Fotos und die gut aufbereiteten Zeugenaussagen. Es ist immer wieder bedrückend zu sehen, zu was Menschen fähig sind. Solche Grausamkeit, wie sie im Laufe der menschlichen Geschichte leider millionenfach geschehen ist, ist für uns Mitteleuropäer größtenteils unbegreiflich geworden. Wir haben so viel Glück, dass unsere Lebenswirklichkeit heute ganz anders aussieht. Ich wünschte nur, ich könnte das gleiche über die ganze Welt sagen…

Nachtrag zum Monsanto-Schwindel

Wie ich in diesem Post vor einigen Monaten schon schrieb, war die Freude über den angeblichen Rückzug Monsantos aus Europa verfrüht. Mittlerweile hat sich bestätigt, dass die EU-Kommission der Zufuhr von Monsantos gentechnisch veränderter Maissorte SmartStax im Oktober zustimmen wird. Somit wäre zwar nicht der Anbau, wohl aber der Import dieser Maissorte möglich. Über das Tierfutter und die direkte Verwendung in der Lebensmittelindustrie würde dieser genmanipulierte Mais dann wohl auch auf unseren Tellern landen. Dabei ist die Unbedenklichkeit dieser Maissorte keineswegs belegt: Die Pflanze ist wohl nicht nur gegen verschiedenen Gifte resistent, sondern kann sogar selbst Gift gegen verschiedene Insekten bilden. Das mag für den Landwirt praktisch sein, der sich nicht mehr so intensiv um die Schädlingsbekämpfung kümmern muss, kann aber auch langfristig große Risiken für Tier- und Umwelt bergen. Die Auswirkungen des Verzehrs einer solchen Maissorte auf den Menschen ist nicht untersucht. Dennoch hält es die EU nicht einmal für nötig, eine eigene Fütterungsstudie durchzuführen. Damit zeigt sich einmal mehr, dass der EU-Kommission die Zusammenarbeit mit Agrarriesen wie Monsanto wichtiger ist als der Schutz der europäischen Verbraucher.

Ein Detail am Rande, das Monsanto noch unsympathischer macht: Es hat wohl zischen 2008 und 2010 Total Intelligence, eine Tochterfirma der berüchtigten Blackwater USA, eingesetzt, um Aktivisten auszuspionieren. Blackwater ist die private Sicherheitsfirma, die von den USA als Söldner im Irakkrieg eingesetzt wurden und die sich durch Übergriffe auf Zivilisten eine traurige Berühmtheit verschafft haben. Mittlerweile existiert Blackwater nicht mehr, doch seine Tochterfirmen und ehemalige Konkurrenten sind weiterhin im Geschäft.
Nachtrag: Die Verbindungen zu Blackwater könnten sogar noch weitergehen. So kursiert seit einiger Zeit die Vermutung, dass Monsanto Academi, die Nachfolgeorganisation Blackwaters, aufgekauft haben soll. Ich weiß allerdings, inwieweit das stimmen kann.

Schlechte Rechtschreibung – ein Phänomen der letzten Jahre?

In letzter Zeit höre und lese ich dauernd davon, wie schlecht es um unser Bildungssystem bestellt ist. Glaubt man den zunehmend hysterischen Artikeln und Stammtischgesprächen, dann sind die Jugendlichen heutzutage zu keiner simplen Addition mehr in der Lage, und wenn sie den eigenen Namen buchstabieren können, kann man noch froh darüber sein. Ehrlich gesagt nervt mich diese Übertreibung zunehmend. Klar steht in unserem Bildungssystem nicht alles zum Besten. Natürlich gibt es immer einen Anlass, Dinge weiter zu verbessern. Aber ich finde es verlogen, wenn sich Menschen, die selber oft die grundlegenden Regeln der Zeichensetzung nicht kennen und mit Deppenapostrophen nur so um sich werfen, über die ach so dumme Jugend aufregen.

Ich gehöre dieser Generation junger Erwachsener an, die so oft mit ins Kreuzfeuer gerät. Wir sind diejenigen, während derer Schulzeit die Rechtschreibreform durchgeführt wurde, die für viele Ältere schon ein Schritt Richtung Untergang des Abendlandes war. Wir waren diejenigen, die die ersten “Opfer” moderner Unterrichtsformen waren. Ja, teilweise waren wir wirklich Opfer falsch verstandener oder schlecht durchgeführter neuer Ansätze. Hey, wir haben es überlebt und, Überraschung, eine ganze Menge von uns haben sogar sehr gut Lesen und Schreiben gelernt! Heutzutage werden viele dieser Methoden viel besser und souveräner eingesetzt als damals, und diese Methoden sind auch nicht alle nur Humbug. Schule und Lernen hat viele Gesichter und bietet fast unendlich viele Möglichkeiten.

Was viele Menschen nicht wahrhaben wollen: Es gibt nicht die eine einzig richtige Methode, mit der alle Kinder alles lernen. Auch was vielen Kindern hilft, kann ein anderes verzweifeln lassen, und was viele Kinder keinen Schritt weiter bringt, kann für ein Kind den Durchbruch bringen. Und manche brauchen einfach ein bisschen länger als andere. Das Stichwort lautet: Methodenvielfalt. Und individuelle Förderung. Ein unbeliebtes Wort, das quasi synonym mit Chaos an Grundschulen verwendet wird, ich weiß. Das Problem daran ist aber nicht, dass es Quatsch ist, sich mit den spezifischen Problemen eines jeden Kindes auseinanderzusetzen, sondern dass es unter den gegebenen Umständen und den zur Verfügung stehenden Mitteln oft einfach nicht möglich ist.

Natürlich ist bei der Modernisierung von Schule und Unterricht in den letzten Jahrzehnten nicht alles super gelaufen. Dass momentan zu viele Kinder und Jugendliche durch’s Netz fallen und am Ende ohne Schulabschluss und mit schlechten Grundkenntnissen in vielen Bereichen einen denkbar schlechten Start ins Erwachsenenleben haben, ist sicher richtig. Aber da spielen auch gesellschaftliche und politische Probleme eine große Rolle. Außerdem ist es ja nun nicht so, als hätte es so etwas früher nicht gegeben. Und es liegt auch nicht alles daran, dass deutsche Lehrer heutzutage einfach unfähig und naiv sind, wie so viele Leute offenbar glauben.

Ja, mir tut es auch in den Augen weh, wenn ich bei Facebook oder in Blogs Kommentare lese, wo sich auf zehn Wörtern zwanzig Rechtschreibfehler tummeln, von schlechter Grammatik, falscher Zeichensetzung und abenteuerlicher Groß- und Kleinschreibung ganz zu schweigen. Aber oft genug kommen diese Kommentare offenkundig nicht von Jugendlichen, sondern von Männern und Frauen mittleren Alters. Wenn ich durch die Stadt gehe und mir die Schilder und Schaufenster genauer anschaue, könnte ich schreien, so viele Deppenapostrophe sind zu sehen. Und da kann mir keiner erzählen, dass diese Schilder und Aufschriften allesamt von minderbemittelten Jugendlichen entworfen wurden. Wenn ich lese, was erwachsene Menschen in E-Mails an Fehlern verzapfen, ohne es zu merken oder sich der eigenen Schwäche bewusst zu sein, amüsiere ich mich darüber. Ja, ich würde mir auch wünschen, dass sich alle Menschen gewählt und korrekt ausdrücken könnten, weil das die Kommunikation allgemein erleichtern würde. Das können aber nunmal nicht alle. Nobody’s perfect! Dafür haben sie andere Qualitäten, andere Fähigkeiten. Und das ist doch auch okay so; es muss doch nicht jeder ein halber Schriftsteller oder Dichter sein!

Schlechte Rechtschreibung als Auszeichnungsmerkmal der Jugend von heute? Kann ich so nicht bestätigen, denn auch in der Generation meiner Eltern und Großeltern gibt es ja ganz offensichtlich sehr viele Menschen, deren Rechtschreibung und Zeichensetzung nicht gerade perfekt ist. Man werfe nur einmal im Supermarkt einen Blick auf die Einkaufszettel fremder Leute – man kann sich kringeln vor Lachen! Alle Opfer eines schlechten Bildungssystems? Obwohl früher ja alles angeblich so viel besser war? Könnte zwar sein, glaube ich aber nicht. Der entscheidende Punkt ist: Es ist vielen einfach egal. Weil es wichtigere Dinge gibt im Leben. Es ist ihnen egal, ob man ein Apostroph nun bei einem Genitiv oder einem Plural einsetzen darf, sie tun es einfach und halten es für richtig. Viele wären schon überfordert, wenn sie die Begriffe Genitiv und Plural erklären sollten! Und regen sich dann auf, wenn die eigenen Sprösslinge es nicht für nötig erachten, in privater Kommunikation auf korrekte Kommata zu achten. Daran muss dann aber die Schule von heute schuld sein. Halleluja! Wir war das nochmal mit dem ersten Stein?

Warum Ertrinkende gar nicht so aussehen, als würden sie ertrinken

Der Sommer kommt, die Badesaison hat begonnen. Deshalb hier ein Hinweis, der euch vielleicht mal ein Leben retten lässt: Eine Person, die ertrinkt, sieht nicht so aus, wie ihr euch das vorstellt – ja, sie sieht vielleicht nicht einmal so aus, als würde sie überhaupt Hilfe brauchen!

Als Übungsleiterin in einem Schwimmverein ist man immer wieder auch mit dem Retten von Personen konfrontiert. Selbst wenn man nicht selber regelmäßig Menschen aus Notsituationen retten muss, ist es sehr wichtig, dass man weiß, wie das geht. Trotzdem ist vielen Menschen selbst im Schwimmsport nicht klar, wie es eigentlich aussieht, wenn jemand ertrinkt. Umso weniger ist es den meisten Badeurlaubern bewusst. Und so kommt es denn auch vor, dass das eigene Kind wenige Meter neben einem zu ertrinken droht, ohne dass die Eltern es bemerken, wie Mario Vittone, Rettungshubschrauberpilot und Rettungsschwimmer der U.S. Coast Guard, es in diesem Artikel eindringlich beschreibt.

Zunächst einmal: Allein in Deutschland sterben jedes Jahr ca. 400 Menschen durch Ertrinken. Auch als sehr guter Schwimmer ist man vor dem Ertrinken nicht “sicher”. Besonders häufig betroffen sind Kinder; Ertrinken gilt als eine der häufigsten Todesursachen bei Kleinkindern. Obwohl allgemein angenommen wird, dass Ertrinkende laut um Hilfe schreien und wild mit den Armen winken, ist das Ertrinken ein erschreckend leiser Vorgang. Kein panisches Gestrampel, kein Geschrei, kein Gespritze.

Natürlich heißt das nicht, dass Menschen, die um Hilfe rufen und winken, nicht tatsächlich in Not sind – ihnen muss man selbstverständlich Hilfe leisten. Dies geschieht am besten, indem man professionelle Hilfe holt und der Person etwas zum festhalten zuwirft, sie ggf. auch selbst aus dem Wasser zieht. Wichtig ist immer: Eigenschutz geht vor! Es bringt niemandem etwas, wenn man sich selbst überschätzt und am Ende beide Menschen in Wassernot sind.

So sieht die instinktive Reaktion auf das Ertrinken aus, wie sie von Mario Vittone und Dr. Francesco A. Pia in einem Artikel im Coast Guard´s On Scene Magazine erläutert wurde (die folgenden Absätze wurden dieser Website entnommen):

1. In den meisten Fällen sind ertrinkende Menschen physiologisch nicht dazu fähig, Hilfe zu rufen. Da das Atmungssystem auf das Atmen ausgelegt ist und die Sprache die zweite/überlagerte Funktion darstellt, muss zunächst die Atmung sichergestellt werden, bevor die Sprachfunktion stattfinden kann.
2. Da sich der Mund beim Ertrinken unter der Wasseroberfläche befindet und nur kurzeitig wieder aus dem Wasser auftaucht, ist die Zeit für das Ausatmen, Einatmen und für einen Hilferuf zu kurz. Sobald sich der Mund einer ertrinkenden Person über der Wasseroberfläche befindet, wird schnell ausgeatmet und wieder eingeatmet, bevor der Kopf wieder unter Wasser abtaucht.
3. Ein Herbeiwinken ist nicht möglich. Die Arme werden instinktiv seitlich ausgestreckt und von oben auf die Wasseroberfläche gedrückt. Diese Schutzfunktion soll den Körper über der Wasseroberfläche halten, um weiter Atmen zu können.
4. Eine bewusste Steuerung der Arme ist bei einer instinktiven Reaktion auf das Ertrinken nicht möglich. Ertrinkende Menschen sind aus physiologischer Sicht nicht dazu fähig, das Ertrinken durch bewusste und gesteuerte Bewegungen abzuwenden. Ein Winken nach Hilfe ist also nicht möglich.
5. Während der Dauer des Ertrinkens befindet sich der Körper aufrecht im Wasser. In der Regel können sich Ertrinkende nur 20 bis 60 Sekunden an der Wasseroberfläche halten, bevor sie untergehen. Nicht viel Zeit für einen Rettungsschwimmer.

Auf die folgenden Anzeichen des Ertrinkens sollte man unbedingt achten:

* Der Kopf ist nach hinten geneigt und unter Wasser. Der Mund befindet sich auf einer Höhe mit der Wasseroberfläche.
* Die Augen sind glasig und leer.
* Die Augen sind geschlossen.
* Die Haare hängen vor Stirn und/oder Augen.
* Der Körper befindet sich vertikal im Wasser – die Beine werden nicht bewegt.
* Der Ertrinkende beschleunigt die Atmung und ringt nach Luft.
* Die betroffene Person unternimmt den Versuch zu schwimmen, kommt aber nicht voran.
* Es wird versucht sich auf den Rücken zu drehen.

Hier kann man sich diese instinktive Reaktion außerdem in einem Video ansehen.