Bismarcks Stimme auf einem Tonträger

Letztes Jahr wurde ein Tonträger gefunden, auf dem tatsächlich Otto von Bismarcks Stimme zu hören ist! Die Tonwalze stammt aus dem Jahr 1889 und wurde von Theo Wangemann, dem Repräsentanten der Firma Edison im Deutschen Reich, aufgenommen. In den Archiven der Firma Edison wurde die Walze nun auch gefunden wurde. Neben “politisch korrekten” Gedichten und Liedern hat der Reichskanzler die Marseillaise gesungen. Wer hätte das gedacht! :-D Verstehen kann man auf der Aufnahme, die man über die Otto-von-Bismarck-Stiftung anhören kann. Verstehen kann man allerdings nur wenig – dazu knistert und rauscht es zu stark.

Lügen zu Erziehungszwecken?

Vor einiger Zeit las ich einen interessanten Artikel zu einer Studie, ob und wie bzw. in welchen Fällen Eltern in den USA und China ihre Kinder belügen. Diese Studie brachte spannende Ergebnisse zu Tage, insbesondere im Vergleich der Daten zwischen den beiden Ländern. Unterschieden wurde zwischen sechs Arten von Lügen: “Ich gehe gleich”-Lügen, “Wenn du dich jetzt nicht benimmst”-Lügen, Lügen in Bezug auf Essen und Geld, “Du warst toll”-Lügen und Märchenlügen. Fast alle Arten von Lügen würden in China häufiger benutzt als in den USA. Dort drohten sogar 21% der Eltern ihrem Kind mit dem Tod (in den USA immerhin noch 4%). Während Erziehungslügen in China als legitimes Erziehungsmittel wahrgenommen würden, sähen viele US-Amerikaner in ihnen den letzten Ausweg.

Der Artikel hat mich durchaus zum Nachdenken gebracht – in welchen Fällen ist eine Lüge gegenüber Kindern nun angemessen oder gar notwendig? Oder ist es besser, immer 100%ig die Wahrheit zu sagen? Denn eigentlich wird Ehrlichkeit Kindern ja immer wieder als Tugend gepriesen. Aber was ist mit Notlügen? Und sollte man deshalb auch auf die Geschichte vom Weihnachtsmann und auf die Zahnfee lieber verzichten?

Lügen wie “Ich habe kein Geld dabei” sind einfach dumm – besonders, wenn einen das Kind dann kurz darauf dabei erwischt, dass man vielleicht doch etwas kaufen muss. Außerdem suggeriert diese Antwort: “Hättest du gefragt, als ich Geld dabei hatte, hättest du es auch bekommen.” Stellt also die Quengelei nicht ab. Dann doch lieber ehrlich antworten: “Nein, wir kaufen heute keine Süßigkeiten.” oder “Du hast genug Kuscheltiere zu Hause, wir können nicht dauernd neue kaufen.” Das mag weiteres Theater nach sich ziehen, ist aber auf Dauer die einzige Möglichkeit, das Quengeln abzustellen.

Sätze wie “Wenn du jetzt nicht mitkommst, dann lasse ich dich hier alleine stehen.” stellen sich oft als zweischneidiges Schwert heraus: Die Eltern würden niemals wirklich weggehen, bleiben meist zehn Meter weiter stehen und fangen wieder an zu rufen oder kommen gar sofort zurück. Was lernt das Kind daraus? Ich muss nur trotzig stehenbleiben, und alles dreht sich wieder um mich. Die Drohung kann durchaus mal den gewünschten Effekt haben, aber oft hat das Kind den längeren Atem bzw. den größeren Trotz.

Motivationslügen dagegen sind für mich definitiv sinnvoll und legitim. Einem Kind, das gerade anfängt, Flöte oder Geige zu spielen, sollte man keinesfalls sagen, dass es ganz grauenhaft klingt und es ja keinen einzigen Ton trifft – egal, wie sehr einem die Ohren weh tun. Das demotiviert nur unnötig. Klar sollte man nicht immer alles, was das Kind tut, über den grünen Klee loben, und oft ist konstruktive, sachliche Kritik hilfreich. Aber schonungslose Ehrlichkeit hilft einem nicht weiter, wenn einem eine Vierjährige stolz ihr neues “Kunstwerk” präsentiert. Und ein ganz wichtiger Punkt, gerade am Anfang oder wenn ein Kind Schwierigkeiten mit etwas hat: Immer wieder loben, selbst für kleine Fortschritte. Ohne Erfolg keine Motivation, und Lob vermittelt Erfolge.

Märchenlügen sind ein schwierigeres Thema. Ich bin kein großer Fan von Märchen und würde sie meinem Kind zumindest nicht als wahre Geschichte, sondern eben als Märchen erzählen. Fabelwesen würde ich nie als reale Geschöpfe präsentieren wollen. Beim Weihnachtsmann wird die Sache schon schwieriger. Im Prinzip könnte man das Thema einfach nicht ansprechen. Aber spätestens im Kindergarten wird das Kind von alleine damit anfangen, zumal die rot gekleideten Herren mit Rauschebart ja auch auf jedem Weihnachtsmarkt präsent sind. Und wer schonmal die leuchtenden Augen von kleinen Kindern beim Anblick eines “Weihnachtsmannes” gesehen hat, weiß auch, wie begeistert Kinder darauf reagieren. Diese Begeisterung mit einem rüden “ist alles nicht wahr” zu zerstören, wäre gemein; das erledigt sich in der Grundschule schon von alleine. Vielleicht wäre die diplomatischste Lösung, den Weihnachtsmann (oder die Zahnfee, oder das Christkind, oder …) auch als Märchengestalt zu präsentieren – anstatt zu sagen “An Weihnachten bringt der Weihnachtsmann Geschenke”, könnte man also auf “es heißt in der Geschichte, dass an Weihnachten der Weihnachtsmann Geschenke bringt” umschwenken. Schlecht ist nämlich, wenn irgendwann die Wahrheit rauskommt und man dann als Lügner dasteht, denn Kinder können es genauso wenig leiden, belogen zu werden, wie Erwachsene.

Noch ein ganz anderer Aspekt, der im Artikel nicht angesprochen wurde: Wie ist es mit Lügen zur Vereinfachung von Sachverhalten? Wenn die Frage “wo komme ich her” für ein kleines Kind zu kompliziert zu beantworten ist, erzähle ich dann einen vom Klapperstorch oder von “Mami und Papi hatten sich ganz doll lieb” – oder versuche ich, “die Wahrheit”, also einen komplizierten Sachverhalt, kindgerecht zu vereinfachen? Mir erscheint die Vereinfachung des korrekten Sachverhalts viel sinnvoller als die Lüge vom Klapperstorch, aber oft verwischt die Grenze zwischen (zu) starker Vereinfachung und Lüge sehr schnell.

Und dann gibt es da noch Lügen, um Kinder vor etwas zu schützen, sei es nun vor einer schlechten Erfahrung oder davor, zu sehen, dass es einem selbst schlecht geht (physisch oder psychisch). Da wird es schnell kompliziert und übersteigt zudem den Rahmen simpler Erziehungslügen, so dass ich das hier lieber ausklammern möchte – ebenso wie Notlügen. Nur eines dazu: Kinder lassen sich weniger vormachen, als es so manchem Erwachsenen lieb ist. Dann lieber gleich die Wahrheit sagen (und sei es in vereinfachter Form).

Fazit: Ehrlichkeit ist ach in der Erziehung sehr wichtig, denn sie schafft Vertrauen. Trotzdem ist eine Trickserei gelegentlich schon okay, besonders zu Motivationszwecken. Man sollte sich nur nicht selbst dabei austricksen, wie es bei “beim nächsten Mal”-, “ich habe kein Geld dabei”- und “ich lasse dich hier stehen”-Lügen nur allzu leicht der Fall ist. Das gleiche Problem kann es bei Märchenlügen geben. Aber Menschen sind fantasievoll und mögen schöne Geschichten mit mitreißenden Charakteren – man muss ja nicht immer alles gleich als “absolut wahr” präsentieren.

Bescheuerter Trend at its best

China ist eines der Länder, dessen Trends uns Europäern oft sehr befremdlich vorkommen. Die Geschichte mit den lebenden Tieren in Schlüsselanhängern, die nunmal nach einer gewissen Zeit verhungern, ist ein besonders anschauliches Beispiel dafür. Was jetzt nicht heißen soll, dass es nicht auch in Deutschland tierquälende Spinner gibt – aber eine solche Idee könnte sich hier schon allein aufgrund von Tierschutzbestimmungen nicht entwickeln. Anders in China. Vor einiger Zeit viel ein bereits älterer Artikel in die Finger, der von dem Trend berichtet, seine Hunde zu stylen wie andere Tiere – also z.B. einen Golden Retriever mit Färbemittel in einen Tiger zu verwandeln oder kleine wuschelige Hunde zu Pandas umgestylt. Das ist offenbar Teil eines Trends, viel Geld in sein Haustier zu investieren – oft leider auf Kosten der Würde dieser Tiere. Guckt euch die Bilder in dem Artikel an, das ist echt übel.