Archive for the ‘Wissenswert’ Category

Fünf Stunden mit Raja

Was tun, wenn man erfährt, dass sein Baby kurz nach der Geburt sterben wird, weil es Anenzephalie hat? Eine schreckliche Frage, die sich mit Sicherheit niemand gerne stellt. Und doch gibt es werdende Eltern, die auf einmal mit der schrecklichen Gewissheit konfrontiert werden, dass sie ihr Baby nie mit nach Hause nehmen werden, dass es entweder tot geboren werden oder wenige Stunden oder Tage nach der Geburt sterben wird. In dieser Doku von Al Jazeera wird eine junge neuseeländische Familie durch diese schreckliche Zeit begleitet, von kurz nach der Diagnose bis zwei Jahre nach Geburt und Tod des kleinen Raja, der nur fünf Stunden zu leben hatte. Es ist eine herzzerreißende Geschichte, eine Geschichte von Freud und Leid, von Trauer und Tapferkeit, von Liebe und Stärke. Sie zeigt uns, dass der Tod zum Leben gehört, ob wir wollen oder nicht, und dass es immer Wege gibt, damit umzugehen zu lernen.

Mich erinnert das an meine eigene Kindheit. Als ich klein war, hatte ich eine sehr gut Freundin, Lydia. Wir haben alles miteinander gemacht, was kleine Mädchen nunmal so machen, waren die besten Freundinnen. Das einzige Problem: Lydia hatte einen angeborenen Herzfehler, war dadurch behindert. Hat mich nicht weiter gestört; sie konnte halt nicht schnell laufen, trug eine Windel und ging in einen anderen Kindergarten, alles nichts dramatisches. Oft war sie kränklich, aber so war das nunmal. Was mir damals nicht klar war: Die Ärzte hatten ihren Eltern schon bei Diagnose des Herzfehlers kurz nach der Geburt gesagt, dass ihr Baby wahrscheinlich nicht lange leben und das erste Jahr wohl nicht überstehen würde. Hat sie aber; allen Prognosen zum Trotz hat sie gelebt. Bis kurz vor ihrem sechsten Geburtstag.

Ich weiß noch genau, wie Lydias Mutter eines Samstag- oder Sonntagmorgens früh bei uns anrief. Sie wollte mit Mama sprechen, die noch im Bett lag und etwas länger schlafen wollte. Ihre Stimme klang seltsam am Telefon; wir wussten sofort, dass was nicht stimmt. Dann erzählte sie meiner Mutter, dass Lydia gestorben sei. Ich erinnere mich sehr genau daran, wie wir alle vier im Wohnzimmer standen und weinten, und dass meine Eltern meinem Bruder und mir versucht haben, begreiflich zu machen, was da passiert sei; ich war fünfeinhalb und erinnere mich nicht an viel aus dieser Zeit, aber daran ganz genau. Und ich erinnere mich auch an ihre Beerdigung. Genauso weiß ich aber auch, dass ich überhaupt nicht verstanden habe, was passiert war, was das alles bedeutete, dass ich wirklich nie wieder mit ihr würde spielen können. Das kam alles erst später.

Ich habe sie nie vergessen, und das werde ich auch nie. Es gibt Fotos von ihr, von uns zusammen. Ich habe nach wie vor ein Andenken an sie, ein kleines Geduldsspiel, dass ich auf ihrem letzten Geburtstag, ihrem fünften, bekam. Ich weiß (oder ahne zumindest) auch, welch schreckliche Belastungsprobe ihr Tod für ihre Familie war, wie ihre Eltern und ihr kleiner Bruder, der das alles ja noch weniger verstehen konnte als ich, darunter gelitten haben müssen. Aber es lässt sich nicht ändern, man kann den Tod nicht immer austricksen. Also müssen wir wohl alle lernen, ihm ins Auge zu blicken und damit umzugehen, wenn wir nicht daran zerbrechen wollen. Und wir können dankbar sein für unsere Gesundheit, und für jeden Tag, den wir mit geliebten Menschen verbringen dürfen.

 

Deutsche Spionagesoftware in totalitären Regimen im Einsatz

Es wundert einen nicht wirklich, trotzdem ist es immer wieder erschütternd, wie gewissenlos Wirtschaftsunternehmen vorgehen: Da wird Spionagesoftware für z.B. Laptops und Smartphones entwickelt und selbstverständlich an totalitäre Regime verkauft. Ist ja egal, ob damit Kriminelle oder einfach unliebsame politische Opposition ausgespäht wird; Hauptsache, es gibt Geld. Unterstützt übrigens offenbar (indirekt?) von Apple, das Sicherheitslücken bei iTunes zur Installation der Spionagesoftware benutzt wurden. Laut diesem Video der ARD ist deutsche Spähsoftware z.B. in den letzten Jahren in Ägypten (unter Mubarak), Syrien, Iran und Bahrain im Einsatz gewesen.

 

Lesetipp zum Thema Kurdistan

Einen sehr interessanter Reisebericht durchs wilde und schöne Kurdistan gibt es hier. Viele der Beobachtungen kann ich nur bestätigen, z.B. die große Toleranz und das Vertrauen, Waren oder sogar über Nacht auf dem Markt stehen zu lassen; Diebstähle scheint es nicht oder kaum zu geben, denn alles, was nicht der Regierung gehört, wird prinzipiell nicht angerührt. Und nach Sulaymaniyah möchte ich beim nächsten Mal (wenn alles gut geht, im Frühling) auch gerne. Also: Wer bald nach Kurdistan reist, kann von sich behaupten, vor dem Massentourismus da gewesen zu sein. Es lohnt sich!

 

Frauen in der ägyptischen Widerstandsbewegung

Hier gibt es einen äußerst interessanten Artikel über die Rolle der Frauen in der Widerstandsbewegung in Ägypten im Besonderen und im Nahen Osten im Allgemeinen. Sehr lesenswert! Die Umwälzungen sind offensichtlich nicht nur politischer Natur.

 

Guttenberg und die BILD

Gerade las ich einen interessanten Artikel darüber, wie die BILD zu Guttenbergs Image pflegt und gezielt Kritik abschmettert. Bald wird die Bundeswehr wohl auch in der BILD Werbeanzeigen schalten, um Nachwuchs zu rekrutieren. Spannend daran ist, dass bisher mit keinem anderen Printmedium Werbeverträge abgeschlossen wurden. Insgesamt erschreckend…

 

Wir sind Helden und die BILD-Zeitung

Ich hab mich schon oft gefragt, wieso sich so viele Prominente für die Werbekampagnen der BILD hergeben, darunter viele, von denen ich es echt nicht erwartet hätte. Hier nun endlich einmal eine (gut publizierte) Absage von der Band Wir sind Helden mit der zentralen Aussage: “Ich glaub, es hackt.” Sehr lesenswert; bitterböse und absolut treffend!

 

Ausschreitungen in Libyen

Die Proteste in der arabischen Welt nehmen kein Ende, auch nach Mubaraks Rücktritt am 11.2.2011. Besonders heftig waren die Ausschreitungen in der vergangenen Woche in Bahrain und Libyen. Gadaffi zeigt mehr und mehr, zu welchem Ausmaß an Gewalt er bereit ist, um seine Machtstellung zu schützen; schon vor zwei Tagen wurde klar, dass er die Bevölkerung sogar bombardiert. Die Zahl der Toten geht in die Hunderte, wenn nicht gar in die Tausende. Einen guten Überblick über die Situation in Libyen gibt es hier, inkl. eines Portraits von Gaddafi und der Rolle der westlichen Welt in Gaddafis Herrschaft.

Nun wird sich bald zeigen, welchen Umfang die Umwalzungen in der arabischen Welt haben können. Es erinnert durchaus an den Zusammenbruch der kommunistischen Staaten im Laufe der 1980er Jahre. Hoffen wir, dass es bald ein möglichst unblutiges Ende geben wird, und dass sich die Situation nicht durch neue Diktaturen noch verschlimmert.

 

Religiös motivierte Ausschreitungen in Indonesien

Alle Welt redet von den Umwälzungen, die im Moment die islamische Welt erschüttert, insbesondere in Ägypten. Dort scheint ein Machtwechsel in absehbarer Zeit mittlerweile unabdingbar geworden zu sein. Doch auch in anderen Teilen der Welt gärt es: Samstag wurden aus Serbien Ausschreitungen gemeldet, bei denen vorgezogene Neuwahlen gefordert wurden. Heute nun las ich bei Malte einen Artikel über Ausschreitungen in Indonesien, diesmal allerdings religiös motiviert. Offensichtlich war den muslimischen Demonstranten die fünfjährige Haftstrafe (Höchststrafe!) für einen Christen, der per Flugblatt Kritik an der Kaaba in Mekka geübt haben soll, nicht genug; stattdessen forderte die Menge die Todesstrafe. Ausschreitungen gegen andere religiöse Minderheiten scheinen dort auch keine Seltenheit zu sein. So viel dann zum Thema religiöse Toleranz in Indonesien…

 

Lebensmittel Skandal in China

Richtig coole Geschichte: In China hat ein elfjähriger Junge einen Lebensmittelskandal aufgedeckt, weil er auf eigene Faust Pilze auf Verunreinigungen durch Bleichmittel untersucht hat. Und das alles nur, weil seine Mutter Verunreinigungen befürchtet und ihm den Verzehr der Pilze verboten hatte. So werden Kinder zu Forschern und Lebensrettern, die verwendeten Bleichmittel können nmlich z.B. Astham und Leberschäden hervorrufen. Hier gibt es die Details.

 

Komische Ziegen

Ich habe grade eine Reportage über eine seltsame Ziegenart gesehen: Myotonic oder Fainting Goats. Diese süßen Tiere fallen vor Schreck in Ohnmacht anstatt wegzurennen, wenn sie erschreckt werden, weil sich ihre Muskeln aufgrund eines Gendefekts verkrampfen. Angeblich wurden sie in den Vereinigten Staaten von Schäfern zum Schutz ihrer Herden eingesetzt – wenn sich unter den Schafen einige dieser Ziegen befinden und die Herde von Wölfen angefallen wird, so rennen die Schafe weg, während die Ziegen umkippen und von den Wölfen gefressen werden.