Captain Obvious at his best

Ich arbeite gerne mit Kindern, und die Tätigkeit als Schwimmtrainerin macht mir besonders viel Spaß. Meistens zumindest ;-) Besonderes Highlight sind Gespräche wie dieses zwischen zwei neunjährigen Mädchen, das ich letzte Woche in der Umkleide mitbekam.

“Mein Hamster ist tot.”
“Oh nein!! Warum das denn?!”
Kurzes Überlegen und irritierter Blick.
“Weil er gestorben ist!?”

In der Schwebebahn festgesessen; oder: Ein Abend, den ich so schnell nicht vergessen werde!

Kurzzusammenfassung: Was ist eigentlich passiert?

Am 17.10.2013 um 18:25 Uhr ereignete sich der erste ernsthafte Zwischenfall bei der Wuppertaler Schwebebahn seit 2008. Zwischen den Stationen Kluse und Landgericht löste sich auf einer Länge von etwa 100 Metern die Starkstromschiene, die auf den Gleisen aufliegt und die Schwebebahn mit Strom versorgt, und stürzte in die Wupper sowie auf die viel befahrene B7. Wie durch ein Wunder wurden zwar mehrere parkende sowie ein fahrendes Auto getroffen, jedoch kam die Fahrerin mit einem Schock davon. Ein Fußgänger wurde nur knapp verfehlt. Die Bahn selber blieb auf freier Strecke hängen und die 75 Passagiere, darunter ich, mussten von der Feuerwehr evakuiert werden. Die Evakuierung dauerte bis 21:45 Uhr, die Vollsperrung der B7 bis 24 Uhr. Die Schwebebahn steht für mindestens eine Woche still, während der Schaden behoben und nach den Ursachen geforscht wird. Mittlerweile ermittelt auch die Staatsanwaltschaft.

Ausgangssituation

Es ist selten, dass bei der Schwebebahn ein Unfall passiert. Der schlimmste war der Absturz eines Wagens in die Wupper im Jahr 1999, bei dem fünf Menschen starben. Seitdem machte die Schwebebahn zwar regelmäßig weiter Schlagzeilen, allerdings vor allem wegen des fortschreitenden Umbaus. Doch gestern Abend gab es einen erschreckenden Zwischenfall – und ich war live dabei!

Dabei begann alles ganz harmlos! Wir waren zu dritt auf dem Rückweg von der Schwimmoper, weil unser Training überraschend ausfallen musste. Nachdem wir die Eltern unserer Schwimmkinder abtelefoniert hatten, machten wir uns auf den Heimweg, guter Dinge, weil wir ja deutlich früher nach Hause kommen würden als sonst. Doch weit gefehlt!

Wie wir den Unfall erlebten

Dummerweise entschieden wir uns, mit der Schwebebahn und nicht mit dem Bus zu fahren. Eine Bahn verpassten wir knapp, also nahmen wir die zweite. Wir saßen ganz hinten, waren gut gelaunt und machten Witze, als es plötzlich ein seltsames, lautes Geräusch gab und die Bahn anfing zu ruckeln. Wir drehten uns entsetzt um und sahen, wie sich etwa 30m hinter uns ein etwa armdicker, langer schwarzer Kabelstrang löste und in die Wupper stürzte (später erfuhren wir, dass es sich dabei um die Starkstromschiene gehandelt hatte). In unserer Schwebebahn fiel der Strom aus, die Notbeleuchtung ging an. Den Lichtblitz, der den Stromausfall begleitete, habe ich nicht wahrgenommen, weil ich beobachtete, wie der Kabelstrang hinter uns abstürzte, bis hin zu unserer Bahn. Es ging ein unangenehmes Ruckeln durch die Bahn, sie bremste ab, wir kamen zum Stillstand. Das alles hatte sich in vielleicht 20 Sekunden abgespielt, aber eine solche Angst, wie sie uns alle durchfuhr, habe ich noch nicht erlebt. Wir konnten ja nicht wissen, ob sich da nicht Gerüstteile oder gar etwas an der Schiene gelöst hatte und wir im nächsten Moment abstürzen würden.

Unser Blick nach hinten aus der Bahn - wie Sie sehen, sehen Sie nichts!

Unser Blick nach hinten aus der Bahn – wie Sie sehen, sehen Sie nichts!

Wartezeit in der “festhängenden” Schwebebahn

Da hingen wir nun, in einer stillstehenden Schwebebahn mit Notbeleuchtung, mitten auf freier Strecke. Es war 18:25 Uhr und zum Glück noch nicht ganz dunkel. Zu sehen war nicht viel, der abgerissene Kabelstrang war in der Wupper verschwunden. Die Anwohner der Häuser direkt neben uns am Kosice-Ufer hingen an den Fenstern, machten Handy-Fotos. In Ermangelung einer besseren Idee rief ich erstmal die Polizei an und berichtete von unserer Lage, also dass wir in einer Schwebebahn festsaßen und dass “irgendwas” in die Wupper gestürzt war. Dann fingen wir an, unsere Eltern und andere Angehörige zu informieren. Auch, um ggf. Informationen des Lokalradios mitgeteilt zu bekommen, sobald es welche gab.

Nach der ersten Schrecksekunde beruhigten sich die meisten Menschen schnell wieder. Wir gingen davon aus, dass wir nun nicht mehr abstürzen würden. Allerdings wussten wir ja nach wie vor nicht, was da in die Wupper gestürzt war. Dank eines Anrufs hörten wir dann, dass auch vor uns “etwas” (die Starkstromschiene, wie wir später mitbekamen) auf die B7 geknallt war. Bei uns kam nur an, dass es wohl “Gerüstteile” gewesen seien. Da wird einem dann schon mulmig. Ich beschäftigte mich mit Fotografieren, Gesprächen mit den Mitfahrern und “Liveberichterstattung” bei Facebook. Wir konnten nicht viel sehen, gerade nicht nach vorne und auf die Kreuzung, und hinter uns gab es nichts zu sehen. Die Anwohner am Fenster gegenüber ließen sich von uns anrufen und fragten netterweise nach, wie es uns ginge usw. Als dann neben mir jemand mit Schocksymptomen zusammenbrach, hatte ich auch eine Aufgabe für die nächsten Stunden – da blieb dann keine Zeit mehr zum Nachdenken. Zum Glück war eine Ärztin an Bord, die mir die Erstversorgung abnahm, als ich nicht mehr weiterwusste.

Unser Blick auf die Kreuzung der B7. Alles voller Polizei und Feuerwehr, ansonsten nichts zu erkennen.

Unser Blick auf die Kreuzung der B7. Alles voller Polizei und Feuerwehr, ansonsten nichts zu erkennen.

Massenpanik und Verletzte? Nein!

Unterdessen hatte sich die Kreuzung an der B7, auf die die Stromschiene gestürzt war, mit allen verfügbaren Polizei- und Feuerwehrautos gefüllt. Wir konnten beobachten, wie die Kreuzung nach und nach nach hinten hin geräumt wurde. Wie wir befreit werden würden, wussten wir da noch nicht. Erst als die Feuerwehr gegen 19 Uhr einen der großen Leiterwagen neben dem Eckhaus am Kosice-Ufer parkte, ahnten wir, was uns erwartete. Die ersten Feuerwehrmänner betraten die Bahn wohl gegen 19:10 Uhr.

Gerüchte über eine ausbrechende Panik unter den Passagieren kann ich nicht bestätigen; es stimmt aber, dass einige Menschen mit Schocksymptomen bzw. Hysterie reagierten. Diese Schockreaktionen verstärkten sich mit der Wartezeit, wurden zum Teil durch die Aussicht auf eine wackelige Fahrt im Korb des Leiterwagens noch verschärft. Zum Glück wurden diese Menschen sofort von den ersten Feuerwehrleuten, die an Bord kamen, versorgt und als erste heruntergebracht. Später las ich von insgesamt sechs Personen, die mit Schocksymptomen untersucht wurden, von denen zwei auch im Krankenhaus behandelt wurden. Hinzu kommt die Autofahrerin, deren Wagen von der herabstürzenden Stromschiene getroffen wurde, die zum Glück ebenfalls mit einem Schock davonkam.

Unsere Rettung

Die Feuerwehrmänner, die als erste zu uns an Bord kamen, kümmerten sich zunächst um die Personen mit Schocksymptomen. Danach sollten Kinder, Minderjährige und ältere Menschen herausgeholt werden. Als Begleitung einer der Passagiere mit starken Schocksymptomen gelangte ich als eine der ersten nach draußen, obwohl es mir selber ja gut ging. Mit der Fahrt im Korb ging ein Kindheitstraum in Erfüllung – es war ein atemberaubend schöner Anblick, die angestrahlte Schwebebahn sogar noch von oben betrachten zu können. Ich habe mich glatt geärgert, dass ich in dem Moment keine Kamera zur Hand hatte, aber das wäre angesichts des hysterischen Mädchens neben mir im Korb wohl unpassend gewesen. Endlich gewann ich auch einen gewissen Überblick über die Lage, denn von innen hatten wir ja nur wenig sehen können. Die Fahrt selber war etwas ruckelig, aber wirklich nicht dramatisch.

Unten angekommen wurden wir, sofern nötig, mit Decken versorgt und als erstes registriert. Uns wurde sogar ein “Fundort” zugeteilt! Ich wurde zu meiner Freundin in den Rettungswagen gebracht, wo sich bereits ein Sanitäter um sie kümmerte. Es ging ihr schon etwas besser, aber der Schock saß doch recht tief. Mittlerweile war es etwa 19:25 Uhr (geschätzte Zeit, meine Erinnerungen sind in der Hinsicht etwas unscharf). Die nächsten gut 45 Minuten verbrachten wir im Rettungswagen; der Sanitäter unterhielt sich sehr nett mit uns. Ich telefonierte in der Zeit auch mehrmals mit meiner Familie sowie mit der Mutter meiner Freundin, um alle auf dem neuesten Stand zu halten.

Fundort: Schwebebahn!

Fundort: Schwebebahn!

Die Evakuierung der gesamten Schwebebahn dauerte weit über zwei Stunden; der letzte Fahrgast wurde wohl erst gegen 21:45 Uhr rausgeholt. Dies lag vor allem daran, dass höchstens zwei Personen gleichzeitig mitfahren konnten. Eine Fahrt dauert wohl drei bis vier Minuten: Eine Minute hoch, Menschen einsteigen lassen, langsam wieder runter, Menschen wieder aussteigen lassen. Die Passagiere wurden oben mit Getränken und Decken versorgt; medizinische Betreuung stand, soweit ich weiß, bereit.

Nach Hause

Gegen 20:10 Uhr stiegen wir aus dem Rettungswagen um in den Linienbus, den die Stadtwerke als Sammellager für die Evakuierten bereitgestellt hatten. Es waren noch nicht sehr viele, vielleicht zwanzig, zum Teil handelte es sich aber auch um Angehörige. Wir bekamen Besuch von Oberbürgermeister Peter Jung und dem Geschäftsführer der Wuppertaler Stadtwerke, Ulrich Jaeger. Alle Passagiere und auch die Angehörigen wurden medizinisch betreut, und wer sich fit genug fühlte, um zu gehen, wurde entsprechend registriert und “entlassen”. Nach einiger Zeit wurde für alle Betroffenen und Angehörige ein Shuttle Service zum Hauptbahnhof und zum Barmer Bahnhof eingerichtet. Uns im Bus wurden Wasser und Apfelschorle sowie Süßigkeiten angeboten, worauf ich dankbar zurückkam. Da meine Freundin noch immer sichtlich unter Schock stand, blieben wir bis ca. 21:45 Uhr vor Ort und fuhren dann mit ihrer Mutter weiter ins Krankenhaus.

Oberbürgermeister Peter Jung zu Besuch im Sammellager.

Oberbürgermeister Peter Jung zu Besuch im Sammellager.

Gegen 22:30 Uhr kam ich endlich zu Hause an. Ich hatte den Abend insgesamt gut überstanden – keine Panikattacken, kein Zusammenbruch, keine Angst, vom ersten Schrecken einmal abgesehen. Da war so viel Adrenalin in meinem Körper und es war so viel zu tun, dass gar keine Zeit blieb, um groß nachzudenken. Als ich dann aber endlich zu Hause ankam, war ich doch völlig platt. Sobald das Adrenalin weg war, kam die Erschöpfung. Schlafen konnte ich trotzdem erst viel später, und dann mit wirren Albträumen. Die Details hab ich glücklicherweise wieder vergessen, aber ich weiß genau, dass mir die ganze Geschichte drei Mal und in verschiedenen Varianten durch die Träume gerattert ist.

Fazit

Ich bin sehr froh, dass wir alle heil aus der Schwebebahn rausgekommen sind und dass auch der Autofahrerin und dem Fußgänger auf der B7 nichts Schlimmes passiert ist. Zunächst einmal ein herzliches Dankeschön an alle, die mit uns gebangt und gezittert und uns beigestanden haben! Ich habe eine tolle Familie und tolle Freunde, und sowohl die Feuerwehr als auch die diversen Rettungskräfte vor Ort haben sich alle sehr nett um uns gekümmert!

Und ich war im Fernsehen. In einem Video des WDR bin ich kurz zu sehen, wie ich aus dem Leiterwagen klettere, bei 0:35.

Nun stellt sich natürlich bald die Frage: Was tun, wenn die Schwebebahn wieder fährt? Ich habe mehrere meiner Mitfahrer Sätze sagen hören wie “Ich werde nie mehr Schwebebahn fahren!”. Dem kann ich mich definitiv nicht anschließen. Die Schwebebahn gehört zu Wuppertal, und ein Leben dort ohne sie ist für mich schlichtweg nicht vorstellbar! Klar wird es komisch sein, zum ersten Mal wieder einzusteigen, aber ich sehe keinen Grund darin, mich von einer diffusen Angst beherrschen zu lassen. Sie ist und bleibt eines der sichersten Verkehrsmittel der Welt. Und zumindest statistisch gesehen habe ich für die nächsten Jahrzehnte ausgesorgt: Eigentlich kann mir nun beim Schwebebahn fahren gar nichts mehr passieren! ;-)

Der Unfall in der Presse

Das Interesse der Medien an dem Vorfall war enorm. Noch während wir in der Bahn festsaßen, hatten wir diverse Kameras wahrgenommen. Dass ich beim Verlassen des Korbes gefilmt wurde, war mir allerdings nicht klar.

Diverse Videobeiträge gibt es z.B. beim WDR.

In allen wichtigen online Zeitungen waren Beiträge, sei es nun bei Spiegel Online, beim Focus oder der Süddeutschen. Auch diverse Lokalzeitungen aus ganz Deutschland brachten kurze, teilweise auch recht ausführliche Meldungen.

Am ausführlichsten berichtete die Westdeutsche Zeitung in mehreren Artikeln (z.B. hier und hier) und mit der besten Fotostrecke, die ich bisher vom Unfall gesehen habe. Auch der Westen und die Welt berichteten ausführlich.

Warum Ertrinkende gar nicht so aussehen, als würden sie ertrinken

Der Sommer kommt, die Badesaison hat begonnen. Deshalb hier ein Hinweis, der euch vielleicht mal ein Leben retten lässt: Eine Person, die ertrinkt, sieht nicht so aus, wie ihr euch das vorstellt – ja, sie sieht vielleicht nicht einmal so aus, als würde sie überhaupt Hilfe brauchen!

Als Übungsleiterin in einem Schwimmverein ist man immer wieder auch mit dem Retten von Personen konfrontiert. Selbst wenn man nicht selber regelmäßig Menschen aus Notsituationen retten muss, ist es sehr wichtig, dass man weiß, wie das geht. Trotzdem ist vielen Menschen selbst im Schwimmsport nicht klar, wie es eigentlich aussieht, wenn jemand ertrinkt. Umso weniger ist es den meisten Badeurlaubern bewusst. Und so kommt es denn auch vor, dass das eigene Kind wenige Meter neben einem zu ertrinken droht, ohne dass die Eltern es bemerken, wie Mario Vittone, Rettungshubschrauberpilot und Rettungsschwimmer der U.S. Coast Guard, es in diesem Artikel eindringlich beschreibt.

Zunächst einmal: Allein in Deutschland sterben jedes Jahr ca. 400 Menschen durch Ertrinken. Auch als sehr guter Schwimmer ist man vor dem Ertrinken nicht “sicher”. Besonders häufig betroffen sind Kinder; Ertrinken gilt als eine der häufigsten Todesursachen bei Kleinkindern. Obwohl allgemein angenommen wird, dass Ertrinkende laut um Hilfe schreien und wild mit den Armen winken, ist das Ertrinken ein erschreckend leiser Vorgang. Kein panisches Gestrampel, kein Geschrei, kein Gespritze.

Natürlich heißt das nicht, dass Menschen, die um Hilfe rufen und winken, nicht tatsächlich in Not sind – ihnen muss man selbstverständlich Hilfe leisten. Dies geschieht am besten, indem man professionelle Hilfe holt und der Person etwas zum festhalten zuwirft, sie ggf. auch selbst aus dem Wasser zieht. Wichtig ist immer: Eigenschutz geht vor! Es bringt niemandem etwas, wenn man sich selbst überschätzt und am Ende beide Menschen in Wassernot sind.

So sieht die instinktive Reaktion auf das Ertrinken aus, wie sie von Mario Vittone und Dr. Francesco A. Pia in einem Artikel im Coast Guard´s On Scene Magazine erläutert wurde (die folgenden Absätze wurden dieser Website entnommen):

1. In den meisten Fällen sind ertrinkende Menschen physiologisch nicht dazu fähig, Hilfe zu rufen. Da das Atmungssystem auf das Atmen ausgelegt ist und die Sprache die zweite/überlagerte Funktion darstellt, muss zunächst die Atmung sichergestellt werden, bevor die Sprachfunktion stattfinden kann.
2. Da sich der Mund beim Ertrinken unter der Wasseroberfläche befindet und nur kurzeitig wieder aus dem Wasser auftaucht, ist die Zeit für das Ausatmen, Einatmen und für einen Hilferuf zu kurz. Sobald sich der Mund einer ertrinkenden Person über der Wasseroberfläche befindet, wird schnell ausgeatmet und wieder eingeatmet, bevor der Kopf wieder unter Wasser abtaucht.
3. Ein Herbeiwinken ist nicht möglich. Die Arme werden instinktiv seitlich ausgestreckt und von oben auf die Wasseroberfläche gedrückt. Diese Schutzfunktion soll den Körper über der Wasseroberfläche halten, um weiter Atmen zu können.
4. Eine bewusste Steuerung der Arme ist bei einer instinktiven Reaktion auf das Ertrinken nicht möglich. Ertrinkende Menschen sind aus physiologischer Sicht nicht dazu fähig, das Ertrinken durch bewusste und gesteuerte Bewegungen abzuwenden. Ein Winken nach Hilfe ist also nicht möglich.
5. Während der Dauer des Ertrinkens befindet sich der Körper aufrecht im Wasser. In der Regel können sich Ertrinkende nur 20 bis 60 Sekunden an der Wasseroberfläche halten, bevor sie untergehen. Nicht viel Zeit für einen Rettungsschwimmer.

Auf die folgenden Anzeichen des Ertrinkens sollte man unbedingt achten:

* Der Kopf ist nach hinten geneigt und unter Wasser. Der Mund befindet sich auf einer Höhe mit der Wasseroberfläche.
* Die Augen sind glasig und leer.
* Die Augen sind geschlossen.
* Die Haare hängen vor Stirn und/oder Augen.
* Der Körper befindet sich vertikal im Wasser – die Beine werden nicht bewegt.
* Der Ertrinkende beschleunigt die Atmung und ringt nach Luft.
* Die betroffene Person unternimmt den Versuch zu schwimmen, kommt aber nicht voran.
* Es wird versucht sich auf den Rücken zu drehen.

Hier kann man sich diese instinktive Reaktion außerdem in einem Video ansehen.

Deutsches Schwimmabzeichen trotz Behinderung?

Gestern wanderte ein Gespräch zu der Frage, was denn eigentlich mit Kindern ist, die wegen einer Behinderung nicht in der Lage sind, die reguläre Prüfung für das Deutsche Jugendschwimmabzeichen abzulegen. Zur Erklärung: Dazu gehört immer ein Sprung ins Wasser vom Block und/oder Sprungturm, teilweise Dinge wie Transportschwimmen, und je nach Behinderung kann so etwas ja unmöglich sein. Diesen Kindern zu sagen “Pech gehabt” wäre sicherlich diskriminierend – nur gibt es eine offizielle Regelung dazu oder liegt das im Ermessen des Abzeichenabnehmers?

Die Antwort lieferte Google: Selbstverständlich gibt es eine Regelung vom Deutschen Schimmverband, wir leben ja schließlich in Deutschland :-) Und diese Regelung ist sehr gut durchdacht und wird einzeln auf jedes Abzeichen übertragen. Das komplette Regelwerk inklusive der Bezüge zur Teilnahme von Personen mit Behinderungen ist z.B. hier beim DLRG zu finden.

Der erste konkrete Bezug auf Menschen mit Behinderung kommt auf Seite 8. Er liefert sowohl einen Anspruch für die Behinderten, ebenfalls an den Prüfungen teilnehmen zu können, als auch Sicherheit für den Abnehmenden, der den Grad der Behinderung bzw. die Sporttauglichkeit der Person ggf. nicht selbst beurteilen kann:

“100 Allgemeine Bestimmungen
100.1 Regelungen für Menschen mit Behinderung
Behinderte werden in die Ausbildung einbezogen, soweit dies ihre Behinderung erlaubt. Eine ärztliche Bescheinigung muss über die allgemeine Sporttauglichkeit Auskunft geben. Für Menschen mit Behinderung können Sonderleistungen eingeräumt werden.”

Unter “Ausführungsbestimmungen” wird dann für jedes Schwimmabzeichen geregelt, welche Prüfung in welchem Fall wodurch ersetzt werden kann, also z.B. Weit-Tieftauchen statt dem Sprung vom Drei-Meter-Brett oder Kleiderschwimmen statt Transportschwimmen. Diese Liste ist beim Jugendschwimmabzeichen Gold dann schon richtig lang:

“Ausführungsbestimmungen:
(…)
Für Menschen mit Körperbehinderung können die praktischen Prüfungsbedingungen wie folgt geändert werden:
50 m Schwimmen in beliebiger Technik in höchstens 1:20 Minuten (anstelle von: 50 m Brustschwimmen in höchstens 1:10 Minuten)
25 m Schwimmen in einer anderen Technik als bei der vorstehenden Disziplin gewählt (anstelle von: 25 m Kraulschwimmen)
50 m Rückenschwimmen (anstelle von: 50 m Rückenschwimmen mit Grätschschwung ohne Armtätigkeit)
10 m Streckentauchen (für Behinderte mit doppeltem Arm- oder Beinschaden anstelle von: 15 m Streckentauchen)
50 m Kleiderschwimmen (Hosenbein und Ärmel der Jacken entsprechend der Behinderung gekürzt; anstelle von: 50 m Transportschwimmen)
Tieftauchen: Heraufholen von drei kleinen Tauchringen innerhalb von 4 Minuten in höchstens 4 Tauchversuchen (bei doppeltem Arm- oder Beinschaden anstelle von: innerhalb 3 Minuten in höchstens 3 Tauchversuchen)
Weit-Tieftauchen (für Menschen mit Schwerstbehinderung, z. B. Querschnittgelähmte): Aus 8 m Entfernung ca. 2 m Tieftauchen mit Heraufholen eines Gegenstandes (anstelle von: Sprung aus 3 m Höhe)”

Wow, da scheint echt an alles gedacht worden zu sein! Oder wie seht Ihr das – fehlt was?

Frauen und Motorrad

Ich hätte es ja nicht gedacht, aber es passiert wirklich erschreckend oft, dass man als Frau für unfähig erachtet wird, mit einem Motorrad umzugehen. Nicht, dass einem dauernd gesagt würde, dass das schlecht sei, aber da ist oft ein regelrechter Unglaube (“Wie, das ist DEIN Motorrad vor der Tür?!”) oder übertriebener Zuspruch (“Das ist ja super, dass du als Frau Motorrad fährst!”). Interessant daran ist, dass ich eigentlich recht viele Frauen kenne, die selber Motorrad fahren; das Klischee “Mann fährt, Frau fährt mit” stimmt jedenfalls schon lange nicht mehr. Auch wenn es immer noch in weiten Teilen eine Männderdomäne ist, könnte man das eigentlich mitbekommen haben. Und auch wenn man – wie ich – technisch nicht sehr versiert ist und sich nicht für Tuning interessiert, kann man trotzdem Motorrad fahren; es ist ja auch nicht jeder Autofahrer der geborene Schrauber.

Lustig war es jedenfalls heute beim Schwimmen. Ich bin nicht häufig mit dem Motorrad dort, weil mir Bus und Bahn im Alltag auch reichen, aber die meisten Kinder dürften es mittlerweile mitbekommen haben. Trotzdem musste ich der ersten Gruppe jedes Feature meines Helms erklären (Belüftung, Visier, Headset), und beim Umziehen am Ende kam dann – ich war gerade dabei, die Motorradjacke anzuziehen – von einem der Mädchen:
“Verena, fährst du Motorrad!?”
“Ja, deshalb hab ich ja die Motorradklamotten an.”
“Aber du bist doch ‘ne Frau! Frauen fahren nicht Motorrad!”

Soviel zur emanzipierten Jugend von heute…

Fragen über Fragen

Gestern abend beim Schwimmen. Ein Mädchen, 8 Jahre alt, hält beim Einschwimmen an und fragt mich:
“Verena, weißt du, wo die Fuxball WM stattfindet?”
“Ja klar, in Südafrika.”
Schockiertes Schweigen – “Woher WEISST du das?!”
Ich würde mal vermuten, dass hat mittlerweile fast jeder (unfreiwillig) mitbekommen. Und Freitag geht es dann tatsächlich los. Ich bin gespannt!

Umzug

Nun ist es endgültig klar: Am 8. März 2010 wird das Schwimmbad Röttgen wegen der anstehenden Renovierungsarbeiten geschlossen. Das bedeutet für uns Schwimmer, dass wir mit Kind und Kegel in die Schwimmoper umziehen müssen, die dann (hoffentlich!) endlich wieder geöffnet wird. Wir sind sehr gespannt auf die völlig umgestaltete Schwimmoper, wären aber viel lieber im beschaulichen Röttgen geblieben, wo wir die Kinder, je nach Andrang im öffentlichen Badebetrieb, auch mal vom Turm springen lassen konnten. Das wird wohl nun unmöglich, wenn wir zusammen mit fünf oder sechs weiteren Vereinen zeitgleich im Becken trainieren müssen. Auch bekommen wir wahrscheinlich “nur” eine Innenbahn, was für die größeren kein großes Problem darstellt, für die jüngeren aber schon. Für uns Trainer heißt das: viel Rennerei um das halbe Becken herum (man kann z.B. die Sechsjährigen ja nicht immer zwei Bahnen am Stück schwimmen lassen), nicht mehr neben unsicheren Kindern hergehen können oder während des Schwimmens Verbesserungsvorschläge geben können. Außerdem wird es bestimmt “lustig”, wenn unsere Kinder zum ersten Mal alleine durch ein ihnen unbekanntes Schwimmbad finden müssen – da werden sich bestimmt einige verlaufen. Bin mal gespannt, wie es dann ab März tatsächlich wird…

Der erste Schnee

Eigentlich wollte ich gestern noch bloggen, wie viel Glück wir hier in der Gegend doch hatten, von dem großen Schneechaos verschont zu bleiben. Doch während gestern nur ein paar Flocken vom Himmel fielen, schneite es heute sowohl in Wuppertal als auch in Hagen quasi durchgehend.

Morgens ging noch alles glatt, sowohl die Züge als auch Busse fuhren in beiden Städten. Heute nachmittag dann schon Radioansagen, dass auf allen Linien der WSW mit Verspätungen zu rechnen sei. Trotz dieser Vorwarnung war ich überpünktlich am Schwimmbad, wo prompt äußerst wenige Kinder zum Training erschienen. Immerhin hatten wir mit diesen viel Spaß, konnten ausgiebig tauchen üben und haben sogar Geschenke bekommen.

Dank meines netten Kollegen kam ich danach (20 Uhr) zum Hbf, ohne auf die Busse angewiesen zu sein. Obwohl mein Zug ausfiel hatte ich in zweifacher Hinsicht Glück: Eine Stunde vorher muss wohl der Zugverkehr in Richtung Hagen komplett stillgestanden haben. Als ich um 20:30 Uhr ankam, war zwar mein Zug gestrichen worden, jedoch fuhr die S-Bahn (ausgerechnet die S-Bahn!!) nach Hagen pünktlich. Dauerte zwar länger, aber immerhin bin ich gut angekommen :) Hier ist es, wie in Wuppertal, immer noch am Schneien. Im Laufe des Tages sind wohl so 4 – 5cm liegen geblieben. Wetten, dass zu Weihnachten alles wieder weg ist?

Weihnachtsfeier

Es ist die Zeit der Weihnachtsfeier, und am Samstag war es auch für unsere Schwimm-Kinder (ASV Wuppertal) soweit. Im Vereinsheim sollte die Party steigen, wie jedes Jahr. Und wie es sich in den letzten Jahren etabliert hatte, sollten die Kinder bis 10 Jahre nachmittags kommen, die Älteren dann etwas später; abends gab es dann die Feier für die Erwachsenen.

Um 14 Uhr trudelten die Jüngeren ein, und zwar so viele, dass die Stühle so grade eben reichten; insgesamt waren es wohl etwa 60 Kinder. Das Büffet aus den Mitbringseln der Kinder war so reichhaltig, dass kaum die Hälfte verzehrt werden konnte. Zwei Stunden lang hatten wir unseren Spaß bei Essen und Spielen. Im Anschluss ging es mit den Größeren weiter. Allerdings kamen hier nur 9 Kinder (bei 8 anwesenden Übungsleitern), sodass es eine gemütliche kleine Runde wurde. Das gab uns Zeit, besonders schöne Kunstwerke aus Butterkeksen, Zuckerguss und Gummibärchen zu basteln. Insgesamt ein schöner Nachmittag :)