Ein Königreich für Winter-Hufeisen!

Eben las ich eine interessante Reportage der BBC über das Scheitern von Napoleons Russland-Feldzug 1812. Dass Napoleon sich und seine Grande Armee bei diesem Feldzug hoffnungslos überschätzt hatte, ist bekannt; dass die Vorbereitung und Durchführung des Feldzugs ein logistisches Desaster waren, ebenfalls. Was ich jedoch nicht wusste: Das i-Tüpfelchen war die schlechte Ausrüstung der zehntausenden Pferde, die für den Transport unerlässlich waren. Denn als der Winter hereinbrach, die erwarteten Erfolge und neue Vorräte jedoch ausblieben, behinderte das Fehlen von Winter-Hufeisen, quasi Hufeisen mit Spikes, die Pferde auf Schnee und Eis. So konnten sie weder Wagen bergauf ziehen noch die Spikes bergab zum Abbremsen benutzen. Neben der schlechten Ernährung kamen nun Unfälle in Schnee und Eis als häufige Todesursache der Tiere hinzu und trugen so wesentlich zum Scheitern der Grande Armee bei.

Doku über den Völkermord an den Armeniern 1915-17

Vor einigen Tagen sah ich mir bei Youtube die Dokumentation “Aghet – Der Völkermord an den Armeniern” an. Da ich mich vorher noch nie intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hatte, fand ich die Doku sehr interessant, und ich würde sie auch jedem zum Einstieg weiterempfehlen, der sich damit auseinandersetzen möchte.

Die Doku startet recht beschaulich mit einer längeren Einleitung zu den Kontroversen der letzten Jahrzehnte, ausgelöst durch die Weigerung der Türkei, den Völkermord an den Armeniern als solchen anzuerkennen. Es folgt eine (leider sehr kurze) Einführung in den historischen Zusammenhang, also die Ausgangssituation der Türkei zu Beginn des Ersten Weltkriegs sowie die Situation von Minderheiten wie den Armeniern. Die Geschehnisse der Verfolgung, Deportation, Aushungerung und Ermordung Hunderttausender Armenier werden von Zeitzeugenaussagen untermauert und mit originalen Fotos und Filmaufnahmen unterstrichen. Ich bin eigentlich kein Fan von nachgestellten Szenen in Dokus, aber die Idee, Schauspieler in die Rolle der Zeugen schlüpfen und sie ihre Beobachtungen und Erinnerungen ohne großes Brimborium vortragen zu lassen, fand ich sehr gut. Dadurch werden die Ereignisse für den Zuschauer greifbarer, ohne in spekulativen und überkandidelten Szenerien zu enden.

Mein einziger großer Kritikpunkt an der Doku: Es wird davon ausgegangen, dass an der Tatsache, dass es einen Völkermord gab, nicht zu rütteln sei. So weit, so gut – sehe ich ähnlich. Doch leider werden die in der Türkei nach wie vor weit verbreiteten Gegenargumente, den Völkermord als solchen anzuerkennen, nur angerissen und sofort für absurd erklärt, anstatt genauer darauf zu schauen. So erscheint die Gegen-Position “der Türkei” von vornherein lächerlich und unbegründbar – das ist nicht nur eine sehr subjektive Darstellung, sondern schwächt noch dazu die eigene Position. Schließlich ist es immer eine stärkere Begründung, wenn man Gegenargumente einzeln und detailliert entkräftet, als einfach zu sagen “Ihr habt aber Unrecht, weil ich recht habe”.

Mein Fazit: Diese Doku geht unter die Haut, besonders wegen der vielen originalen Fotos und die gut aufbereiteten Zeugenaussagen. Es ist immer wieder bedrückend zu sehen, zu was Menschen fähig sind. Solche Grausamkeit, wie sie im Laufe der menschlichen Geschichte leider millionenfach geschehen ist, ist für uns Mitteleuropäer größtenteils unbegreiflich geworden. Wir haben so viel Glück, dass unsere Lebenswirklichkeit heute ganz anders aussieht. Ich wünschte nur, ich könnte das gleiche über die ganze Welt sagen…

Bismarcks Stimme auf einem Tonträger

Letztes Jahr wurde ein Tonträger gefunden, auf dem tatsächlich Otto von Bismarcks Stimme zu hören ist! Die Tonwalze stammt aus dem Jahr 1889 und wurde von Theo Wangemann, dem Repräsentanten der Firma Edison im Deutschen Reich, aufgenommen. In den Archiven der Firma Edison wurde die Walze nun auch gefunden wurde. Neben “politisch korrekten” Gedichten und Liedern hat der Reichskanzler die Marseillaise gesungen. Wer hätte das gedacht! :-D Verstehen kann man auf der Aufnahme, die man über die Otto-von-Bismarck-Stiftung anhören kann. Verstehen kann man allerdings nur wenig – dazu knistert und rauscht es zu stark.