Auf nach Kurdistan! Tag 6 – Arbil

Sonntag, 09.10.2011

Gegen Mittag machten wir uns auf den Weg in die Innenstadt, um das Erbil Civilisation Museum zu besuchen. Das ist ein kleines Museum über die archäologische Geschichte dieser uralten Stadt. Es stellte sich als gar nicht so einfach heraus, es ausfindig zu machen, denn es liegt versteckt in einem Hof, an der Fassade zur Straße hin gibt es kein Hinweisschild, sodass man es, wenn man von rechts kommt, überhaupt nicht wahrnehmen kann. Wir mussten uns bei Wachleuten und schließlich im Hotel nebenan durchfragen.

Dafür war da Museum selbst durchaus interessant. Wie im Assyrischen Museum waren die Beschriftungen dreisprachig, allerdings insgesamt eher spärlich; wenn man keine Ahnung von der Geschichte des Landes hat, wird man daraus leider nicht allzu viel erfahren können. Trotzdem war es liebevoll eingerichtet, gut in Ordnung und erstaunlicherweise kostenlos. Es gab englischsprachiges Personal, das auch gerne einige kleine Erklärungen beisteuert. Ich denke, sobald mehr europäischer und amerikanischer Tourismus in der Region ist (was bald der Fall sein dürfte; die ersten Pauschalreisen werden schon angeboten bzw. sollen nächstes Jahr starten), dürfte sich auch die Lage in den Museen ändern, denn stärkeres Interesse dürfte auch zur Weiterentwicklung des Angebots- frischer Orangensaft, Café führen, und für Nicht-Muttersprachler ist nunmal vor allem eine gute, ausführliche Beschriftung interessant. Besonders cooles Detail: Man darf zwar nicht fotografieren, aber dafür bekommt man am Ausgang einen ganzen Umschlag mit Postkarten (die einzigen, die wir in ganz Arbil gesehen haben!), Flyern und Broschüren sowie eine Rolle mit mehreren Postern in die Hand gedrückt.

Eine der diversen Baustellen

Eine der diversen Baustellen

Basar von Arbil

Basar von Arbil

Nach unserem Museumsbesuch spazierten wir durch die Stadt, wieder Richtung Basar, und sahen uns dort noch einmal genauer um. Schließlich machten wir uns zu Fuß auf Richtung Shanidar Park, verfransten uns dieses Mal jedoch hoffnungslos, sodass wir irgendwann ein Taxi riefen und uns hinfahren ließen. Dort angekommen, sahen wir uns zunächst die Überreste des alten Minarets im Minaret Park an und ließen es uns bei Keksen und Schokolade in der Sonne gut gehen. Dann ließen wir den Nachmittag bei einem frisch gepressten Orangensaft im Café im Shanidar Park ausklingen. Sehr lecker, aber dazu später mehr…

Minaret Park

Minaret Park

das Minaret, das dem Minaret Park seinen Namen gibt

das Minaret, das dem Minaret Park seinen Namen gibt

Shanidar Park, Arbil

Shanidar Park, Arbil

Abends aßen wir zusammen, diesmal Hähnchen, was in Kurdistan das “Standard-Gericht” zu sein scheint: Hähnchen ist, im Gegensatz zu anderen Fleischsorten, sehr billig, was auf die Massenhaltung der Tiere in Legebatterien zurückzuführen ist. Eier beispielsweise werden im Supermarkt in 36er-Paletten verkauft. Ansonsten ist die Lebensmittelversorgung sehr gut; es gibt im Supermarkt oder auf dem Basar eigentlich alles zu kaufen, was man sich vorstellen kann. Auch diverse europäische und amerikanische Produkte gibt es dort. Insgesamt sind die Lebensmittel oft recht teuer, aber da es, wie wir erfuhren, in Kurdistan so gut wie keine Steuern gibt, haben die Menschen auch fast 100% ihres Lohnes in der Tasche. Zudem hat der Arbeitgeber für das leibliche Wohl seiner Angestellten zu sorgen, und die ärztliche Versorgung im Krankenhaus ist kostenlos. Der einheimischen Bevölkerung geht es im Schnitt so gut, dass man im Dienstleistungssektor fast kaum Kurden findet, sondern fast nur Gastarbeiter aus den Nachbarländern, anderen Teilen des Irak oder aus Nepal. Klingt alles gar nicht so schlecht, wie man sich das leben im Irak so vorstellt, hmm? ;-) Aber so läuft das wohl in einem Land, das von seinen Ölreserven profitiert.

Bei einem Abendspaziergang kauften wir frisches Obst am Stand vor dem Supermarkt in Ankawar. Interessantes Detail: Gemüse gibt es zum Pauschalpreis von 1000 Dinar pro Kilo, Obst für 2000 Dinar pro Kilo, egal, um welche Sorte es sich handelt. Dafür gibt es an diesen Ständen dann vor allem lokale Produkte. Schade nur, wenn man eine exotische Frucht probiert hat und leider den Namen nicht herausfinden kann, weil es ja leider keine Beschriftungen in lateinischen Buchstaben gibt und die Verkäufer kaum jemals Englisch sprechen. Eine andere Erfahrung haben wir übrigens in der Apotheke gemacht: Dort wurden wir in recht gutem Englisch bedient und bekamen auch das gewünschte Penizilin für unseren Gastgeber, wenn auch als Folienstreifen, nicht als ganze Packung. Dafür eben zum unschlagbaren Preis von einem knappen Euro für acht Tabletten. Und selbstverständlich ohne Rezept.

Wie alles begann:
Spontanreise nach Arbil (Kurdistan/Nordirak)
Auf nach Kurdistan! Tag 1 – Hinflug (Düsseldorf – Istanbul – Arbil)
Auf nach Kurdistan! Tag 2 – Arbil
Auf nach Kurdistan! Tag 3 – Arbil
Auf nach Kurdistan! Tag 4 – Arbil
Auf nach Kurdistan! Tag 5 – Dokan
Wie es weiterging:
Auf nach Kurdistan! Tag 7 – Arbil – Rückflug

One thought on “Auf nach Kurdistan! Tag 6 – Arbil

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