Auf nach Kurdistan! Tag 5 – Dokan

Samstag, 08.10.2011

Nach einem gemütlichen Frühstück beschlossen wir, dass es an der Zeit war, sich auch die Gegend um Arbil herum anzuschauen. Wir entschlossen uns zu einem vergleichsweise kleinen Ausflug nach Dokan, ein Ort in den Bergen etwa 150km von Arbil entfernt. Mit dem Jeep und einem ortskundigen Fahrer, der keine Angst vor den heftigen Kurven und bedrohlichen Überholmanövern anderer Verkehrsteilnehmer hat, waren das gut zwei Stunden pro Richtung.

Straße in die Berge

Straße in die Berge

Blick ins Tal

Blick ins Tal

Die Fahrt durch die Berge war schlichtweg atemberaubend. Obwohl das Land vergleichsweise karg wirkt, ist es doch faszinierend und, finde ich zumindest, wunderschön. Ein bisschen hat es mich an Australiens Red Center erinnert, es ist aber doch deutlich fruchtbarer. Die Erde hat zumeist einen deutlich rötlichen Ton (auf den Fotos etwas blasser als in echt), an vielen Stellen wachsen Sträucher. Gerade auf den Berghängen wachsen auch viele Bäume, was damit zusammenhängt, dass dort im Frühling das Wasser (Schneeschmelze in den Bergen sowie “Regenzeit”) herunterfließt. Stellenweise sieht man kleine Oasen, wo durchgängig ein Bächlein fließt. Im Frühling muss es hier noch schöner sein, denn dann grünt und blüht hier alles.

Bergkette

In der Nähe von Dörfern und kleinen Städten sieht man häufig Schaf- und Ziegenherden, die neben der Straße oder am Fuß der Berge weiden, oft auch Esel, Kühe und gelegentlich Pferde. Sie werden von Hirten betreut oder gehören zu Nomaden, die dort ihre Zelte aufgeschlagen haben oder in Hütten leben. Doch auch hier merkt man, wie sich das traditionelle Leben mit europäischen Einflüssen vermischt, sei es an Gebäuden oder der Kleidung der Menschen. Gelegentlich fährt man an einzelnen Ruinen vorbei; die traurigen Überreste von Dörfern, die nach den letzten Kriegen nicht wieder aufgebaut wurden.

Blick ins Tal

Blick ins Tal

Gelegentlich kommt man an Check Points vorbei, an denen Polizisten Pass- und Fahrzeugkontrollen durchführen können, wenn ihnen etwas komisch vorkommt. Als Tourist kann man Glück oder Pech; viele Polizisten winken einen wegen des europäischen Äußeren gleich durch, andere wollen gerade deshalb die Ausweise sehen. Mehr können sie eigentlich nicht tun, aber der Anblick ihrer Maschinengewehre ist trotzdem etwas beängstigend. Für mich als jemand, der nie ernsthafte Grenzkontrollen erlebt hat, eine durchaus einschüchternde Erfahrung.

Wir nähern uns der Bergkuppe

Wir nähern uns der Bergkuppe

Weiter geht es, hinein in die Berge. Die Straße wird schmaler, die Kurven enger, die Landschaft atemberaubend schön. Häufig überholen wir Lastwagen, sogar in den Kurven, teilweise sogar trotz Gegenverkehr (uwaaah!). So ist das eben dort, das machen alle so. Erstaunlicherweise ist die Straße ziemlich gut in Ordnung; sie ist noch recht neu. Wir überlegen, wie toll es hier zum Motorrad fahren sein muss wegen der Kurven, aber wenn ich mir die Fahrweise der Autos und LKW anschaue, bekomme ich Angst um mein Leben. Nur ein Ausrutscher, ein Verschätzen, ein unachtsames Überholmanöver des Gegenverkehrs, und der Abgrund ruft.

atemberaubender Ausblick

atemberaubender Ausblick

Blick über Dokan und den Dokan-See

Blick über Dokan und den Dokan-See

Wir kommen in Dokan an, fahren durch den Ort und am Stausee vorbei zu einem Aussichtspunkt. Der Dokan-See ist erstaunlich groß, die kleine Stadt scheint ganz gut vom Fischfang zu leben. Es ist faszinierend, wie unachtsam offensichtlich mit der Umwelt umgegangen wird; obwohl es sich hier um ein beliebtes Ausflugsziel handelt, wird Müll gnadenlos fallen gelassen, wo man gerade steht. So entstehen regelrechte Müllhalden am Ufer des ansonsten schön gelegenen Stausees, oder auch mitten in der Stadt, im Rinnstein oder an Baustellen.

Dokan-See

Dokan-See

Hotelanlage am Dokan-See

Hotelanlage am Dokan-See

Blick übern Dokan-See

Blick übern Dokan-See

Direkt am See gelegen ist ein hübsches, kürzlich modernisiertes Hotel. Wir kehren dort auf eine Cola ein, schauen uns die Hotelanlage mit Swimming Pool, Tennisplatz, Casino und Ferienhütten an. Von vielen Zimmern aus muss man einen guten Blick über den See haben. Auch die Preise sind in Ordnung; für 100$, also etwa 80€, bekommt man ein Zimmer im Hauptgebäude, inklusive Frühstück, ein kleines Zimmer direkt am Hang mit Seeblick sogar für 80$.

die Sonne geht unter

die Sonne geht unter

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Wir machen uns auf den Rückweg, der recht unspektakulär verläuft. Wir machen noch einige schöne Fotos, zumeist aus dem fahrenden Auto heraus, weil man ja nicht dauernd anhalten kann. Hinzu kommen einige spektakuläre Überholmanöver, eine Notbremsung wegen eines toten Tiers auf der Fahrbahn und eine Schrecksekunde, als uns während einer Ortsdurchfahrt beinahe ein kleines Mädchen vor’s Auto rennt.

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Krönender Abschluss dieses tollen Tages wird das Abendessen im Restaurant Dawa 2. So etwas habe ich noch nie erlebt: Es gibt keine Speisekarten, denn man sucht sich sein Essen nicht aus; stattdessen wird einem von diversen Gerichten ein bisschen gebracht. Allein die Auswahl an Vorspeisen ist so reichhaltig, dass sie problemlos als Viergangmenü durchgehen würde! Ich komme kaum hinterher; dauernd packt mir ein Kellner noch mehr auf den Teller, ein bisschen hiervon, ein bisschen davon, eine Schale Suppe, und vor allem Fleisch, viel Fleisch. Spektakulärer Anblick: Auf einem Schwert aufgespießt wird Hähnchenfleisch mit Paprikaschoten gebracht, in einer mit Alufolie zugedeckten Amphore eine Art Gulasch. Es ist alles unglaublich lecker (okay, Linsensuppe mit Pflaumen ist nicht mein Fall, aber das meiste andere war super!), und es ist gut, dass ich all das probiert habe, was ich mich sonst wohl eher nicht getraut hätte. Als ich glaube, bald zu platzen, erfahre ich, dass wir den Hauptgang auslassen werden – alles bisherige war bloß die Vorspeise! Und nun folgt noch der Nachtisch, natürlich wieder eine Auswahl von leckeren Dingen. Als wir fertig sind, kann ich mich kaum noch bewegen, so lecker war alles. So ein Restaurant wünsche ich mir hier auch! Vor allem zu dem Preis; inklusive Getränken lagen wir, sofern ich das richtig mitbekommen habe, bei deutlich unter 20€ pro Person. Es wäre auch das Doppelte wert gewesen!

Wie alles begann:
Spontanreise nach Arbil (Kurdistan/Nordirak)
Auf nach Kurdistan! Tag 1 – Hinflug (Düsseldorf – Istanbul – Arbil)
Auf nach Kurdistan! Tag 2 – Arbil
Auf nach Kurdistan! Tag 3 – Arbil
Auf nach Kurdistan! Tag 4 – Arbil
Wie es weiterging:
Auf nach Kurdistan! Tag 6 – Arbil
Auf nach Kurdistan! Tag 7 – Arbil – Rückflug

3 thoughts on “Auf nach Kurdistan! Tag 5 – Dokan

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